Ich habe vorhin geschrieben, wie gute Taten eigentlich Taten im Einklang mit dem universellen Sein sind, durch die wir vor allem uns selbst, aber auch unserer Umgebung wie auch dem gesamten Sein “gutes” tun.

Genauso verhält es sich mit schlechten Taten, mit dem “Bösen”, doch hier möchte ich bei der konstruktiven, positiven Seite unserer Taten bleiben.

Die Erkenntnis des Seins, des Universums bringt uns weiter, weil wir dadurch mehr und mehr verstehen, uns Klarheit verschafft wird, und in uns dadurch eine immer größere Harmonie, auch Glück entstehen.

Die erwähnte Klarheit (der Einblick) über das Universum und das Sein kann aber auch eine Motivation sein, nicht nur sich an dem erkannten Ist-Zustand zu erfreuen, sondern diesen weiter zu vergrößern, zu vertiefen. Und zwar mit eigenen Taten.

Diese Motivation kann aus einem Gefühl (der Harmonie, des Glücks) entstehen, es ist aber vor allem ein Gedanke unseres Verstandes: Wenn es mir mehr und mehr klar ist, wodurch ich glücklicher werde (harmonischer mit dem Sein, mit meiner Umgebung, geistig wie physisch), desto mehr will ich diesen Weg weiter gehen.

Also der bewusste Wille.

Dieser Wille, aus dem Verstand und der Erkenntnis geboren, ist dann auch der zweite (nach der Erkenntnis) entscheidende Schritt in unserem Weg zum Glück, zur Erfüllung. Und zwar der bewusster Wille, d.h. nicht eine zufällige Idee oder Laune oder Experiment der Gedaken.

Natürlich sind auch unterbewußte Willensentschlüsse (und Taten), sofern sie gut sind - gut, aber nur der Aspekt des Bewußten bringt die größte positive Veränderung in uns. Jeder bewußter Wille zu einer guten Tat ist wie ein logischer Baustein auf den Bausteinen der Erkenntnis - und je mehr von solchen klaren und bewußten (”selbst gemeißelten”) Bausteinen des eigenens Willens wir vorweisen können, desto einfacher und stärker werden die neueren und deren Taten als Folgen.

Hier also der dritte Punkt (nach 1. Erkenntnis, 2. Wille) - die Durchführung (ein Anfangen) bzw. “Pflege” (ein Weiterentwickeln) der guten Tat. Eine Aktion. Denn es ist zwar schön, eine tiefer und tiefer gehende Erkenntnis zu haben, daraus dann eine Klarheit über sich und das Sein zu gewinnen, und sogar schöne Ideen zu haben, auch einen Willen diese umzusetzen… Doch wenn wir auf dem Sofa sitzen bleiben, ist es zwar keine “Sünde”, auch nicht notwendig ein “Verfall” (solange wir die erlanger Erkenntnis und den Willen behalten können), doch sicher nicht alles, was möglich ist. Ein weiterer Schitt zur Erfüllung ist eben eine Aktion, eine Tat - aus der Erkenntnis und aus dem Willen heraus.

Richtig hat es Sokrates gesagt: Jedes Gut muß irgendein Objekt haben, nichts ist ein “Gut” an sich, wenn es nicht jemanden/etwas nicht Gutes tut.

Wie gesagt, ich spreche von guten Taten, was nicht ausschließt, daß aus einer falschen Erkenntis ein Wille und eine Durchführung einer schlechten Tat möglich ist.

Mit “Taten” meine ich übrigens auch “Werke” - ein Wort, das auch mehr Richtung Kunst und Kultur, wie auch Richtung materieller Ergebnisse hinweist.

Es gibt meiner Meinung nach keinen Grund, die Geist des Menschen seinem Körper in der Bedeutung und in der Wertung voranzustellen. Beide sind ein Bestandteil des Menschen wie des ganzen Seins (geistig bzw. materiell), und somit gleichberechtigt. Beide entstehen und wachsen mit dem Menschen, beide schrumpfen und sterben mit ihm - bzw. gliedern sich in das universelle Sein wieder ein.

In beiden Fällen ist es wichtig, nach der Harmonie mit dem universellen Sein zu trachen - körperlich wie geistig. Jede körperliche und jede geistige Tat ist gut, die sich der Harmonie nähert bzw. in dieser entsteht.

Daher bin ich gegen die Gegenüberstellung: “Was ist wichtiger, Körper oder Geist?” bzw. “Mehr gesitiges oder mehr körperliches?”. Wichtig ist: “Was und welches Geistiges, was und welches Körperliches.” bei den Taten des Menschen.

Die menschlichen Taten sind insofern “gut” oder “schlecht”, wie sie im Einklang bzw. Gegesatz zum gesamten Universum, dem Sein, sind. Denn wie schon gesagt: der Mensch ist als Geist wie als Materie ein Teil des ganzen Universums, dessen untrennbarer Bestandteil er ist.

Tut er also dem Universum, d.h. z.B. der Natur, den anderen Menschen etwas Gutes - tut er auch Gutes sich selbst.

Und umgekehrt: tut er was Gutes für sich selbst, tut es dem Universum, allen anderen auch gut.

Somit ist jeder “Egoismus”, der aber in Wahrheit eine Tat im Einklang, in Harmonie mit dem Universum geschieht, keine “schlechte” sondern eine gute Tat, und auch ist eine jede gute Tat, die den anderen zukommt, eigentlich ein “Egoismus”.

Die Entscheidung, was Gut, und was Schlecht ist, d.h. welche Tat einen näher oder ferner zum Gott, dem Sein und der Kraft des Universums bringt, entscheidet jeder für und in sich selber. Hier wirkt und meldet sich das Gewissen, das einem immer sagt, immer andeutet, ob eine Tat gut oder schlecht sei. Es ist wie das natürliche Gleichgewichtsgefühl: Je mehr wir uns einem Abgrund nähern, desto unsicherer fühlen wir und, und wenn wir beim balancieren auf einem Balken zu weit links oder rechts uns stellen, warnt uns das Gefühl, daß etwas nicht stimmt, und daß wir bald womöglich fallen könnten.

Da alle Taten, gut oder schlecht, von uns selbst kommen, und sofort (auch wenn nicht sofort für uns bemerkbar) auch auf uns wirken, sind wir für unser Segen und Wohlergehen vor allem selbst verantwortlich.

Natürlich sind es auch die Taten der anderen, die unser Schicksal beeinflussen, doch keiner beeinflußt einen Menschen so selbst, wie er selbst - schon aus der rein statistischen Betrachtungsweise, wie viel Zeil man mit sich selbst verbringt und wieviele Tätigkeiten und Entscheidungen in dieser Zeit geschehen. Je mehr davon gut sind, d.h. im Einklang mit dem Gott, dem Sein, der Welt, desto besser wird es uns gehen.

Je näher dem Sein, desto besser für uns. Daher kann man leicht schlußfolgern, daß je mehr Wahrheit, desto mehr Gutes, und umgekehrt.

Die Konzepte der “Gerechtigkeit” sind durchwegs eine Erfindung des Menschen. Sehr oft werden diese als “Gleichheit” oder “Ausgleich” verstanden.

Einerseits die meisten religiösen Konzepte, die dem Menschen die “Gerechtigkeit” mittels der Idee des “Lebens im Jenseits”  anbieten: Im Leben danach soll es entweder einem besser oder schlechter als “hier” ergehen, je nachdem, wie man “hier” gelebt hatte. Oder aber wird das “Leben danach” als Reinkarnation verstanden, aber auch hier handelt es sich um eine neue Existenz, die besser/schlechter aufgrund der jetztigen Existenz sein soll. In diesem Fall also ein “Ausgleich”.

Dann gibt es die “Gerechtigkeit”, die die kommunistisch/sozialistischen Konzepte beinhalten. Hier soll bereits in “diesem Leben” erreicht werden, daß (vor allem, leider, nur Materiell) die Menschen “gleich” werden. Auch viele demokratische Gesellschafts- und Gesetzeskonzepte beinhalten diese “irdische” Gleichheit, auch wenn eingeschränkt: “Alle sind vor dem Gesetz gleich”, Wahlrecht, etc. Diese Ideen sind als “Gleichheit” zwischen den Individuuen gedacht.

Schließlich gibt es - sowohl in religiösen, wie in gesellschaftlichen Konzepten - die Idee der “Rache”: Ob “Auge um Auge” oder das Strafrecht. Wer “Böses” getan hat, dem soll auch “Böses” geschehen. (Viel seltener findet man interessanterweise den Umkehrschluß: Wer “Gutes” getan hat, dem soll auch “Gutes” seitens der Gemeinschaft geschenen.) D.h. hier wieder der Versuchs eines “Ausgleichs”.

Meiner Meinung nach haben all diese Ideen den Haken, daß man versucht, die Schicksale und die Geschichten aller Individuuen gegeneinander abzuwägen. Auf diese Weise kann man es nie schaffen, daß sich jeder immer als “vollkommen gerecht behandelt” fühlen wird. Zu sehr unterschiedlich sind die Schicksale, und sehr oft unabhängig die Situation von der Möglichkeit, diese als Gesellschaft zu beeinflussen. Der Versuch, als Gesellschaft (als Gruppe) und in der Gesellschaft (Gruppe) Gerechtigkeit herbeizuführen ist schlicht nicht durchführbar! Kein System oder Religion, noch so totalitär oder gütig hat es geschafft, alle Handlungen der Menschen und deren Folgen  so “in Einklang zu bringen”, daß am Ende “Gerechtigkeit” herauskommt.

Mein Ansatz ist ein anderer: Nicht die Gerechtigkeit unter den Menschen, nicht zwischen den Menschen, auch nicht eine “vom Gott für den/die Menschen”, sondern die einer “Gerechtigkeit” des einen Menschen, des Individuum, mit sich selbst und mit dem Universum, der Natur, dem Sein. Diese Gerechtigkeit baut und schafft sich der Mensch nur selbst, indem er das Sein mehr und mehr erkundet, erkennt, versteht, und folglich diesen Erkenntnissen seine Handlungen so gestaltet, daß er sich im Einklang und Harmonie, somit in Gerechtigkeit mit dem Sein setzt. Gerechtigkeit ist die erfüllte Harmonie des Lebens zwischen einem Individuum und dem Universum.

Natürlich folgt daraus für die “zwischenmenschliche Gerechtigkeit”, daß je mehr “individuelle Gerechtigkeit” durch einzelne Menschen erreicht wird, desto größer und allgegenwärtig das Gefühl der “irdischen”, für alle (mehrere) existierenden Gerechtigkeit. Denn je mehr von uns sich dem (einzigen, gemeinsamen) Universum in Harmonie nähern und danach leben, desto mehr Harmonie und Gerechtigkeit werden wir zwischen uns und um uns fühlen und erleben.

Der Begriff “Gerechtigkeit” ist eine Idee des Menschen, nicht die des Gottes. Meistens aber erwartet der Mensch vom Gott, es solle eine Gerechtigkeit geben, bzw. daß die Welt “gerechter” werden sollte (als sie ist). Man fordert daher Gott auf, etwas zu tun, was man sich selbst erdacht hat. Und ist dann noch öfter enttäuscht, wenn dieser Gott unseren Wünschen und Vorstellungen nicht folgt.

Ich meine, wir sollten den Gott aus unserer Vorstellung und Wunsch der Gerechtigkeit heraushalten. Mag sein, daß Gott als die Kraft des Universums eine eigene Vorstellung und sogar die reele Existenz einer Gerechtigkeit zugelassen und erdacht hat. Aber wir, als Menschen, mit unserem schwachen und immer subjektivem Möglichkeit der Erkenntnis, werden nie imstande sein, diese vollkommen zu begreifen, oder gar deren Existenz zu merken. Der Mensch ist nicht imstande objektiv festzustellen, ob die Welt “gerecht” oder “ungerecht” gestaltet und “regiert” wird.

Eine göttliche Gerechtigkeit wäre auch qualitativ völlig anders als die in unserer Vorstellung, wäre damit nicht vergleichbar: genauso wie wenig unser Erkenntnis, Wissen, Macht mit denen des Gottes vergleichbar sind.

Natürlich soll das die Menschen nicht davon abhalten, sofern sie dies für sinnvoll erachten, der eigenen Vorstellungen nach “Gerechtigkeit” nachzugehen. Nur dann müssen sie es erstens selber tun, und zweitens nur sich dafür verantwortlich machen.

Die Anzeichen einer “Ungerechtigkeit” oder gar des “Unglücks”, die der Mensch sieht, sind bloß Ereignisse aus seiner beschränkten Perspektive, die er bewertet. Bei einer vollen, göttlichne Perspektive würden dieselben Ereignisse und Taten sehr wahrscheinlich anders aussehen. Nich unbedingt ganz verkehrt; es ist auch möglich daß für uns scheinbar “gerechtigkeitsneutrale” Taten gerecht/ungerecht sind, oder daß die göttliche Gewichtung ganz anders aussieht. Daraus folgt auch, daß unsere Ideen über die “Göttlichen Gebote” oder dessen “Strafen” oder “Belohnungen” für unsere Taten jeglicher Grundlage entbehren.

Es ist meiner Meinung auch falsch, zu denken und zu erwarten, daß Gott “Opfer” von uns erwartet, oder gar durch diese “seine Meinung” ändert und für uns “was tut”. Was wäre das eine schrecklich lächerliche Vorstellung eines Gottes, einer Kraft des Universums, wenn man diesen durch kleine, menschliche Opfer (Geld, Büßen, Tieropfer, etc.) beeinflussen könnte!!

Natürlich ist es gut, gutes zu tun - doch damit tun wir nicht (in erster Linie) dem Gott oder dem Universum was gut, sondern uns selbst. Denn gute Taten sind Taten im Einklang mit dem Universum, und je mehr “Einklang wir aus uns heraus erzeugen”, desto mehr nähern wir uns selbst der Harmonie mit dem Universum - also dem Glück und der Erfüllung.

So genannte Fälle vom “Unglück” oder “Ungerechtigkeit” sollten nicht allzu sehr unsere Aufmerksamkeit beschäftigen. Denn beide Begriffe sind rein subjektive, relative Erfindungen des Menschen; es sind Negativ-Definitionen, die davon ausgehen, daß der Normalzustand “Glück” oder “Gerechtigkeit” sein sollten. Also reines Wunschdenken. Wäre es nicht richiger, auch “Glück” als Abweichung vom “Standardzustand” zu betrachten?

Wenn wir vom “Unglück” oder “Ungerechtigkeit” reden, meinen wir oft Phänomene des einen Menschen (Menschengruppe), die wir mit dem Zustand eines anderen vergleichen (der uns “glücklicher” oder “mit mehr Gerechtigkeit behandelt” erscheint). Dabei haben wir gar kein Vermögen, objektiv zu sagen, wer nun tatsächlich “glücklich” ist oder nicht. Sind vielleicht beide “glücklicher” als ein dritter oder vierter?

Gerade das zeigt auch, das “Glück” oder “Unglück”, “Gerechtigkeit” oder “Ungerechtigkeit” uns am meisten dann beschäftigen, wenn sie als momentane Phänomene auftreten. Viel seltener versuchen wir mit den Begriffen das gesamte Leben eines Menschen zu beschreiben - was auch fast unmöglich ist (wieder: Unmöglichkeit der Objektivität, aber auch Zeit und Raum-Beschränktheit).

Viel seltener tun wir auch das umgekehrte kritisch betrachen: Daß  eigenes “Glück” oder “erlebte Gerechtigkeit” eigentlich Abweichungen von der Norm sind, vom Null-Zustand. Oder aber, daß sie erarbeitet sind, und somit einfach “bessere Zustände” als “Glück” oder “erlebte Gerechtigkeit” sind.

Beides sind persönliche, subjektive Gefühlszustände, keine objektiven Zustandsbeschreibungen. Mit dem Unterschied allerdings, daß “Gerechtigkeit” als Begriff andere Menschen (und dessen Zustand) benötigt, während Glück nicht. Man kann “Glück” empfinden, ohne daß damit gleichzeitig  jemandem anderen “Unglück”widerfährt.

“Glück”/”Unglück” stehen damit im klaren Gegensatz zur “Gerechtigkeit”, beide sind damit nicht kompatibel, sie sind beide “ungerecht”. Und oft vergessen oder übersehen wir das eigene Glück, indem wir darin und um es herum nach mehr “Gerechtigkeit” suchen - die wir nicht finden.

Man sagt, das Freisein von materiellen Dingen erleichert das Denken. Man könnte aber auch anders: das Fehlen der materiellen Sorgen erleichtert das Denken. Oder: Materielle Dinge fördern das Denken - als Anhaltspunkte, Inspirationen, Kritikpunkte. Man könnte auch sagen: das Freisein von den geistigen Dingen erleichtert das Leben und fördert das Glück. Doch da wird klar, daß es sich nur um ein scheinbares Glück handelt, um das Glück nicht einmal eines “Dummen”, sondern eines, der sich selber anlügt: “Ist mir lieber, ich muß darüber nicht nachdenken…” Also?

Meiner Meinung nach ist das Denken, und somit das Erkennen, Verstehen wichtig und notwedig zum wahren Glücklichsein.

Die materiellen Dinge tun hier in Wirklichkeit weder stören: wer wirklich nachdenken will, wird schon nicht abgelenkt. Noch fördern: kein materieller Gegenstand oder Wesen ist für das Weiter-Denken unabdingbar.

Es ist anmaßend und übertrieben, vom “Sinn” der menschlichen Existenz zu sprechend. Ich glaube nicht an einen “höheren” Sinn, “große Aufgabe” oder “Mission”. Der “Sinn”, wenn es einen gibt, soll zuallererst auf den einzelnen Menschen sich beziehen, und da dessen Existenz zeitlich und räumlich sehr begrenzt ist, sollte man den “Sinn” auch nicht größer machen als des Menschen Existenz. Viel lieber rede ich vom menschlichem “Lebensziel” oder “eigener Lebensaufgabe”.

Dieses Ziel, das höchste Ziel des Menschen ist die möglichst vollständige, enge Annäherung an das Sein, an das Universum. Das kann der Mensch durch eine immer weiter und tiefer gehende Erkenntnis und Verständnis der Welt erreichen. Je perfekter die Annäherung, desto größer und schöner ist das Gefühl der Harmonie mit der Welt, mit dem Sein. Und dadurch die Erfüllung, das Glück.

Ein gleichzeitiges Ziel ist das ständige Erleben der Welt, der Umgebung, des Seins. Das Erleben ist viel wichtiger als das (Über-)Leben, dessen Länge nichts über die Qualität, über die Erfüllung und das Glück aussagt.

Die beiden Ziele kann und muß man nicht voneinander trennen, denn sie sind ohnehin miteinander verwoben: Je weiter wir in der Erkenntnis vorankommen, und uns über das absolut größere Versändnis des Seins und der Harmonie mit ihm erfreuen, desto besser können wir tagtäglich erleben und uns darüber erfreuen. Gleichzeitig kann man sich durchaus über die tagtäglichen Erkenntnisse und Erlebnisse freuen, während man aber weiß, daß man noch weit von der größeren Erkenntnis und Harmonie entfernt ist. D.h. man muß nicht auf einen “größeren Erkenntnispunkt” warten, bis man sich an dem Tagtäglichen erfreut.

Es ist aber auch meiner Meinung nach falsch, so wie Sokrates es lehrte, nur zu fragen “Wie soll ich leben?”, d.h. sich nur auf den Menschen und sein irdisches, lokales Leben zu konzentrieren, ohne zu versuchen, das Universum zu vestehen. Denn ohne dem “großen Ganzen” kann man “das kleine”, also den Menschen, uns, auch nicht verstehen - denn wir sind ein Teil des “großen Ganzen”, des Universums, des gesamten Seins.

Das Erleben und Erkennen und Freuen geschehen sowohl durch den Verstand, wie auch durch die Sinne. Keines ist weniger oder mehr wichtig, jeder Mensch entscheidet selber, mit welchen Mitteln (mit mehr Verstand oder mit mehr Sinnen) er die Welt besser kennenlernen und verstehen möchte und tut.

Die Liebe

Juli 14, 2008

Was ist die Liebe? Ist es eher ein Verlangen, ein Wollen, ein Hunger, oder eher ein Wille und Drang zum Geben, Schenken, zu Helfen? Es ist auf jeden Fall ein Wille und ein Bedürfnis zur Vereinigung, zur Einheit, geistig oder/und körperlich. Indem es ein Schritt zur Vereinigung ist, ist es eine Annäherung an das Sein an sich, an dessen Harmonie. Die Liebe ist das das Wiedererlangen (Erschaffen) einer größeren Einheit, und das Verbleiben darin, das Geniessen dieser Harmonie.

Der weitere Aspekt der Liebe ist das Erschaffen in der Liebe. Ob es Nachwuchs, Ideen, gemeinsame Unternehmungen sind oder Kunstwerke. Das höchste ist natürlich der Liebes-Akt, der immer ein Erschaffungs-Akt ist. Daher das besondere Gefühl, sinnlich wie geistig, denn da fühlen die Menschen etwas göttliches: die Kraft des Erschaffens. Und daß das Erschaffen eines neuen, weiteren Lebens ein “Schritt vom (eigenen) Tod in die Ewigkeit” ist. Denn wer Nachwuchs hat, verlängert sein Leben, und entmachten den eigenen Tod.

Dieser Wille zur Vereinigung ist eher ein Drang als eine bewußte Entscheidung. Denn man könnte sagen, die Menschen täten es aus Berechnung. Aber in Wirklichkeit verhalten sich die Menschen wie  die übrigen Tiere: Sie wollen und suchen den Liebesakt wie das Zusammensein aus dem Instinkt, aus dem Unterbewußtsein (ob aus Einsamkeit, oder aus dem Libido), und nicht als eine durchdachte Tat. Das spricht dafür, daß die Liebe keine ideele Erfinung der Menschen ist.

Die Seele

Juni 29, 2008

Die Seele des Menschen ist gleichzeitig sein Geist. Damit stelle ich mich hier entschieden gegen die Aufteilung Geist - Seele als unterschiedliche Dinge.

Die Seele ist der immaterielle Teil des Menschen, und wie sein materieller Teil, ist sie Teil des gesamten Seins. Sie ist der Teil des Geistes der Welt, d.h. des Gottes, des Logos, des Nomoi. Damit ist diese nicht nur ein passiver “Prozessor” oder “Software”, sondern kann selber - zu ihrem geringen, aber aus Sicht des Menschen großen Teil - beitragen, die Welt sowohl materiell (als Wille, der ausgeführt wird), wie geistig (als Teil des Gesamtgeistes) zu verändern.

Da die Seele mit dem Geist der Welt wesensverwandt ist (ebenso wie der Mensch mit der Welt, nur hier ist die Verwandtschaft näher, kleiner, wesentlicher), kann man durch die Seele die Harmonie und den Sinn des Weltgeistes, Gottes, besser verstehen. Außerdem dient sie als eine Art “Kompass”, der das korrigiert, was einererseits unsere Sinne (die subjektiver sind, die kaputt gehen, die von der sich veränderten Umgebung wie Geographie, Wetter, Uhrzeit, Gesundheit, leicht beeinflussen lassen) erkennen, und diese Sinneserkenntnise auszubesser, bzw. in einen objektiveren Kontext zu stellen. Denn die Seele ist, die der Nomoi, die eigentliche Kraft, während das materielle eher eine Hülle ist, die bewegt wird.

Die Seele ist genauso unsterblich wie sterblich wie der Logos und der Gott selbst - man kann es nicht sagen. Ich glaube aber, daß die Seele als Teil Gottes und der Welt unsterblich ist, wie auch keinen Anfang oder Ende hat. Nur wird sie zu der Zeit, wo sie mit einem Mensch verbunden wird, in diesem eingeschränkt. Wenn der Körper und die Seele sich jedoch trennen, lebt die Seele zwar fort, jedoch nicht persönlich, sondern - wie der Körper übrigens auch! - verwandelt sie sich wieder in dem Gesamten, geht darin auf, so wie der Körper bei der Verwesung auch nicht “verschwindet”, sondern sich in andere Moleküle (der Erdmasse, der Würmer, der Luft, des Wassers) “verwandelt”. Auch dieser ist so gesehen unsterblich. Sterblich ist nur der “Mensch”, als eine temporäre Kombination von materiellen und geistigen Elementen.

Während der Lebenszeit des Menschen kann aber dessen Seele, “seine Seele”, genauso wie sein Körper, durch dieses Menschen selbst und der anderen äußeren Einflüsse sich verändern: Wachsen, schrumpfen, stärker, schwächer werden, je nachdem wie viel sie “Nahrung” und “Übung” bekommt. Schwere Schläge können zu immerbleibenden “Wunden” führen, manche Tätigkeiten können wie Massage wohtuend sein. Das geistige “Klima” kann über Jahre, aber vor allem in den ersten Lebensjahren genauso wie das geografische Klima entscheidend prägen.

Allerdings kann man in der Seele eines Menschen, wie in der Welt selbst, sowohl Gutes wie Böses finden, pflegen, und es liegt an uns, was wir mit dem darin schlummernden anfangen werden.