Das Leben nach dem Tod

März 28, 2008

Ich glaube nicht an ein Leben oder Weiterexistieren des Menschen nach dessen Tod.

Das schließt für mich allerdings in keiner Weise die Möglichkeit der Existenz eines Gottes aus.

In den meisten Religionen bzw. Glaubensansätzen werden die beiden Punkte verknüpft, sogar sehr stark. Entweder enger – d.h. man glaubt an ein Weiterleben „im Himmel/Fegefeuer/Hölle“, „im Paradies“, „im Nirvana“ (Christentum, Islam, Hinduismus, die meisten s.g. „primitiven Glauben“, oder – in indirekter Form – man glaubt an ein Weiterleben als „Reinkarnation“, als „Geist“, als „Seele im Universum“.

Der Grund für eine solche Verknüpfung von „Gott“ einerseits, und „Weiterleben“ andererseits liegt in der Idee der „Gerechtigkeit“: Der Mensch hat den Eindruck, daß in „dieser Welt“ (ihm oder allgemein allen) keine Gerechtikgeit geschieht, und davon ausgehend, daß es eine solche „Gerechtigkeit“ auf jeden Fall in einer Welt geben sollte/müßte (wenn es schon einen „Gott“, der auch „gerecht“ sein sollte, gibt) – und daher wird diese „Gerechtigkeit“ in einer anderen Lebensform, nach dem Tod (oder im neuen Leben) wiederhergestellt, daß es dann doch zu einer Balance kommen muß.

Ein solcher Glaube (ein solcher Wunsch) beinhaltet zwei große Fehler: Erstens, man versucht, Gott zu definieren („er/sie/es muß gerecht sein“). Zweitens, die „Gerechtigkeit“ müsse und könne es geben, diese sei glücksbringend bzw. an sich „gut“. Außerdem macht damit der Mensch den „Gott“ zu seinem Diener (auch wenn in „Vater/Mutter/Herrscher/Lehrer“-Funktion): Man erwartet vom „Gott“, etwas für den Menschen tun zu müssen – die „Gerechtigkeit wiederherzustellen“ oder „eine weitere Chance einem Menschen zu geben“ (Reinkarnation).

In meinem Verständnis haben wir Menschen nicht nur kein Recht, sondern auch keine Fähigkeiten, nicht nur über die Existenz, sondern auch über die Ziele, Wertvorstellungen und das Tun Gotten zu urteilen. Mag sein, daß es Gott gibt, mag auch sein, daß es sogar Gerechtigkeit gibt, mag sein, daß es tatsächlich „ein Leben danach“ gibt. Ist es aber richtig (und gesund) für den Menschen, es zu erwarten? Kein Wunder, daß manche Religionen als „Opium fürs (dumme/arme) Volk“ ansehen.

Was meinen persönlichen Glauben angeht, so glaube ich zwar an einen „Gott“ (bzw. „Kraft“) , nicht aber an „ein Leben danach“. Aufrichtiger, auch wenn unpräziser und „es mir einfach machend“ würde ich sagen: Ich glaube eher, daß es einen Gott gibt, als daß es ihn nicht gibt, während ich es mit dem „Leben danach“ genau umgekehrt sehe: eher nicht.

Auch, weil ich es aus oben erwähnten Gründen für unanständig finde, daß der Mensch vom Gott etwas erwarten sollte, daß der Mensch einem Gott seine (des Menschen) Ideale vorschreibt („Gerechtigkeit“), und schließlich, weil ich es zu platt finde, daß die Welt so konstruiert sein sollte, daß alles immer („irgendwann“, „irgendwie“) aufgewogen wird.

Auf keinen Fall glaube ich an „Gottes Gerechtigkeit“. Schon eher, wenn schon ein „Weiterleben“, dann aufgrund von Gottes „weise Barmherzigkeit“: Jeder wird nach dem Tod weiterleben und beglückt werden. Aber eben nicht als „Lohn“, sondern als „unverdiente Überraschung“. Das wäre aber schon ein anderes Thema.

Schließlich finde ich die Vorstellung, das irdische Leben sei nur eine „Vorstufe“ zum „richtigen“ Leben-Danach, unmoralisch, sofern man gleichzeitig an Gott glaubt. Denn was wäre das für ein schrecklicher Gott, der mit uns ein Spiel treibt, dem wir als Experiment-Kaninchen dienen, der uns auf eine Probe stellt, und je nachdem wir uns verhalten, wird und ein besseres oder schlechters Jenseits, Belohnung oder Strafe, erwarten. Hat ein Gott sowas nötig??? Die Menschen sollten glauben, daß wenn sie was Gutes tun, dies nicht vor allem als „Plus für das Jenseits-Konto“ gewertet wird und Sinn hat, sondern daß es bereits in diesem Leben und direkt für die Beteiligten wichtig ist, Gutes zu tun. Ebenso bei bösen Taten. Beides gilt für unsere einzige Existenz, und hat Auswirkungen vor allem für uns – schon hier.

Wenn man all das bedenkt, verschwinden Gedanken wie „Wie kann Gott sowas hier auf Erden erlauben?“ oder wie „später wird es eine Strafe / eine Belohnung geben, und nur dafür lohnt es sich zu leben“.


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