Sinn der menschlichen Erkenntnis
Mai 21, 2008
Es ist dem Menschen unmöglich, die Welt, das Sein vollständig zu erkennen, und damit vollständig zu verstehen.
Allerdings, da wie vorhin gesagt, der Mensch von der materiellen und geistigen Substanz ein Teil des gesamten Seins ist, da sein Wesen von derselben Natur wie das Wesen der Welt ist, hat er die Chance, mit Hilfe dieser Artverwandschaft die Welt teilweise kennenzulernen.
Wenn man das Ziel der vollständigen Erkenntnis beiseite legt, zeigt sich, daß diese Artverwandschaft ein ungeheuer wichtiger Vorteil ist bei Versuchen der Erkenntnis. Man muß nicht etwas artfremdes kennenlernen, sondern etwas artverwandtes, daß „lediglich“ (in jeder Hinsicht) größer/mächtiger/komplexer ist.
Der Mensch kann also partielle Erkenntnisse gewinnen, und auch wenn diese nicht die gesamte Wirklichkeit des Seins erklären können, können sie eben Teile des gesamten Seins aufzeigen, und erklären. Und wie bei einem Puzzle, oder bei einem Detektivspiel, kann man manchmal aus Teilen zwar nicht das gesamte Bild, so doch Bruchstücke kennenlernen. Und manchmal dann sogar wagen, daraus Folgerungen auf das Gesamte abzuleiten.
Auch wenn diese partielle Erkenntnisse nur Bruchstücke des Gesamtbilds des Seins sein sollten, und und keinerlei Hilfe bei der Erstellung des Gesamtbilds sein sollten – ist das menschliche Erkennen wichtig und gut. Indem wir die Natur, die Welt, (das Sein, den Gott), deren alle Teile erforschen, erkennen, und verstehen – verstehen wir die Welt immer besser. Es mag manchmal scheinen, daß mehr Wissen (als Information) weniger Wissen (als Weisheit) erscheint – doch es ist nur eine Empfindung des nach schneller Klarheit geizendem Mensch. In Wirklichkeit ist jede, noch so „verwirrende“ Erkenntnis und Entdeckung, ein Schritt näher an das Verstehen des gesamten Seins.
Und je mehr wir sowohl die Teile, die auch das gesamte Sein erkennen und verstehen, umso wohler (weil klarer, weniger fremd) werden wir uns in dieser Welt fühlen.
Manchmal scheint die Welt zwar diffus oder gar paradox, ohne Sinn, Gerechtigkeit und Ziel, doch je mehr wir sie kennenlernen, wird uns mehr und mehr ersichtlich, daß all diese einzelnen Gegensätze eine gesamtheitliche Harmonie bilden.
Es liegt allerdings an uns, immer wieder und immer weiter an der Erkenntnis zu arbeiten. Je weniger wir es tun, desto verwirrender und damit fremder, schlechter, wird uns die Welt und Gott erscheinen.