Subjektivität als Problem der Erkenntnis
Juni 29, 2008
Die menschliche Erkenntnis kann niemals objektiv sein, da es nie vollständig sein kann, auch nie beweisbar. Jeder Mensch benutzt seine eigenen Sinne, erkennt und forscht nach eigenen Methoden, und kommt zu anderen Schlüssen (abgesehen vom Problem der Sprache, der Definitionen, des Interpretierens). Daher ist es eine natürliche Sache, daß wir meistens das Gefühl haben, daß die meisten anderen Menschen eine andere, eine falsche oder unvollkommene Meinungen (Ergebnisse deren Erkenntnisse) haben. Die bescheidenen unter uns sehen es noch so, als wäre vielleicht nicht die andere, sondern die eigene Erkenntnis falsch.
Dennoch sind diese gegensätzlichen Erkenntnisse keineswegs ein Paradoxon: Im Gegenteil, sie beweisen geradezu, daß wir menschen, so beschränkt wir sind, nur Teile des Ganzen verstehen und erkennen können. Die Gegensätze sind also nur scheinbar, weil begrenzt. Wer nur ein Stück Reifengummi sieht, der andere nur ein Stück Glas, der wird nicht zum Ergebnis kommen, daß beides die Beweise eines Auto-Unfalls und Teile eines Autos sind/waren. Wenn 10 Menschen nur 100 Meter hinein in das Stadtgebiet von Tokio reingehen, oder von Mexico City, werden sie alle was anderes davon erzählen, und kaum dazu kommen, daß es jeweils eine Stadt ist.
Also, es ist uns unmöglich, die volle Harmonie der Welt zu erkennen, dabei sehen wir viele scheinbare Gegensätze, und werden dadurch vielleicht verwirrt, geärgert, enttäuscht.
Im Unkehrschluß bedeutet es aber, daß je mehr Erkenntnisse wir sammeln, und je mehr wir kommunizieren und diese notieren, desto weiter kommt die gesamte Erkenntnis der Menschheit. Daß diese dabei die volle Erkenntnis nicht erlangen wird, ist vorauszusehen, aber kein Grund, die Erkenntnis zu lassen.
Zusätzlich kommt noch das schöne dazu, daß auch partielle Erkenntnisse, Zusammenhänge und das Schöne, Klare und Harmonische der Welt und des Gottes zeigen können. Jer mehr Erkenntnisse, desto mehr klare und logische Zusammenhänge, desto mehr Verständnis und Freude über das Sein.
Diese Unvollkommenheit des Menschen, auch der Menschheit was die Erkenntnis und das vollständige Wissen angeht, ist einer der wichtigsten Unterschiede zu Gott. Es ist ein grundstätzlicher Unterschied, unveränderbar. Daher kann der Mensch nie Gott vollkommend verstehen, und wird es auch nie schaffen. Also bleiben religiöse Konzeptionen oder Wertungen des Gottes reine Spekulation, Spielerei, Wunschdenken. Der Mensch schafft es oft nicht einmal, den anderen Menschen zu verstehen, umso weniger also könnte er Gott verstehen!