Sinn des Menschlichen Lebens
Juli 15, 2008
Es ist anmaßend und übertrieben, vom „Sinn“ der menschlichen Existenz zu sprechend. Ich glaube nicht an einen „höheren“ Sinn, „große Aufgabe“ oder „Mission“. Der „Sinn“, wenn es einen gibt, soll zuallererst auf den einzelnen Menschen sich beziehen, und da dessen Existenz zeitlich und räumlich sehr begrenzt ist, sollte man den „Sinn“ auch nicht größer machen als des Menschen Existenz. Viel lieber rede ich vom menschlichem „Lebensziel“ oder „eigener Lebensaufgabe“.
Dieses Ziel, das höchste Ziel des Menschen ist die möglichst vollständige, enge Annäherung an das Sein, an das Universum. Das kann der Mensch durch eine immer weiter und tiefer gehende Erkenntnis und Verständnis der Welt erreichen. Je perfekter die Annäherung, desto größer und schöner ist das Gefühl der Harmonie mit der Welt, mit dem Sein. Und dadurch die Erfüllung, das Glück.
Ein gleichzeitiges Ziel ist das ständige Erleben der Welt, der Umgebung, des Seins. Das Erleben ist viel wichtiger als das (Über-)Leben, dessen Länge nichts über die Qualität, über die Erfüllung und das Glück aussagt.
Die beiden Ziele kann und muß man nicht voneinander trennen, denn sie sind ohnehin miteinander verwoben: Je weiter wir in der Erkenntnis vorankommen, und uns über das absolut größere Versändnis des Seins und der Harmonie mit ihm erfreuen, desto besser können wir tagtäglich erleben und uns darüber erfreuen. Gleichzeitig kann man sich durchaus über die tagtäglichen Erkenntnisse und Erlebnisse freuen, während man aber weiß, daß man noch weit von der größeren Erkenntnis und Harmonie entfernt ist. D.h. man muß nicht auf einen „größeren Erkenntnispunkt“ warten, bis man sich an dem Tagtäglichen erfreut.
Es ist aber auch meiner Meinung nach falsch, so wie Sokrates es lehrte, nur zu fragen „Wie soll ich leben?“, d.h. sich nur auf den Menschen und sein irdisches, lokales Leben zu konzentrieren, ohne zu versuchen, das Universum zu vestehen. Denn ohne dem „großen Ganzen“ kann man „das kleine“, also den Menschen, uns, auch nicht verstehen – denn wir sind ein Teil des „großen Ganzen“, des Universums, des gesamten Seins.
Das Erleben und Erkennen und Freuen geschehen sowohl durch den Verstand, wie auch durch die Sinne. Keines ist weniger oder mehr wichtig, jeder Mensch entscheidet selber, mit welchen Mitteln (mit mehr Verstand oder mit mehr Sinnen) er die Welt besser kennenlernen und verstehen möchte und tut.