So genannte Fälle vom „Unglück“ oder „Ungerechtigkeit“ sollten nicht allzu sehr unsere Aufmerksamkeit beschäftigen. Denn beide Begriffe sind rein subjektive, relative Erfindungen des Menschen; es sind Negativ-Definitionen, die davon ausgehen, daß der Normalzustand „Glück“ oder „Gerechtigkeit“ sein sollten. Also reines Wunschdenken. Wäre es nicht richiger, auch „Glück“ als Abweichung vom „Standardzustand“ zu betrachten?

Wenn wir vom „Unglück“ oder „Ungerechtigkeit“ reden, meinen wir oft Phänomene des einen Menschen (Menschengruppe), die wir mit dem Zustand eines anderen vergleichen (der uns „glücklicher“ oder „mit mehr Gerechtigkeit behandelt“ erscheint). Dabei haben wir gar kein Vermögen, objektiv zu sagen, wer nun tatsächlich „glücklich“ ist oder nicht. Sind vielleicht beide „glücklicher“ als ein dritter oder vierter?

Gerade das zeigt auch, das „Glück“ oder „Unglück“, „Gerechtigkeit“ oder „Ungerechtigkeit“ uns am meisten dann beschäftigen, wenn sie als momentane Phänomene auftreten. Viel seltener versuchen wir mit den Begriffen das gesamte Leben eines Menschen zu beschreiben – was auch fast unmöglich ist (wieder: Unmöglichkeit der Objektivität, aber auch Zeit und Raum-Beschränktheit).

Viel seltener tun wir auch das umgekehrte kritisch betrachen: Daß  eigenes „Glück“ oder „erlebte Gerechtigkeit“ eigentlich Abweichungen von der Norm sind, vom Null-Zustand. Oder aber, daß sie erarbeitet sind, und somit einfach „bessere Zustände“ als „Glück“ oder „erlebte Gerechtigkeit“ sind.

Beides sind persönliche, subjektive Gefühlszustände, keine objektiven Zustandsbeschreibungen. Mit dem Unterschied allerdings, daß „Gerechtigkeit“ als Begriff andere Menschen (und dessen Zustand) benötigt, während Glück nicht. Man kann „Glück“ empfinden, ohne daß damit gleichzeitig  jemandem anderen „Unglück“widerfährt.

„Glück“/“Unglück“ stehen damit im klaren Gegensatz zur „Gerechtigkeit“, beide sind damit nicht kompatibel, sie sind beide „ungerecht“. Und oft vergessen oder übersehen wir das eigene Glück, indem wir darin und um es herum nach mehr „Gerechtigkeit“ suchen – die wir nicht finden.

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