Die Konzepte der “Gerechtigkeit” sind durchwegs eine Erfindung des Menschen. Sehr oft werden diese als “Gleichheit” oder “Ausgleich” verstanden.

Einerseits die meisten religiösen Konzepte, die dem Menschen die “Gerechtigkeit” mittels der Idee des “Lebens im Jenseits”  anbieten: Im Leben danach soll es entweder einem besser oder schlechter als “hier” ergehen, je nachdem, wie man “hier” gelebt hatte. Oder aber wird das “Leben danach” als Reinkarnation verstanden, aber auch hier handelt es sich um eine neue Existenz, die besser/schlechter aufgrund der jetztigen Existenz sein soll. In diesem Fall also ein “Ausgleich”.

Dann gibt es die “Gerechtigkeit”, die die kommunistisch/sozialistischen Konzepte beinhalten. Hier soll bereits in “diesem Leben” erreicht werden, daß (vor allem, leider, nur Materiell) die Menschen “gleich” werden. Auch viele demokratische Gesellschafts- und Gesetzeskonzepte beinhalten diese “irdische” Gleichheit, auch wenn eingeschränkt: “Alle sind vor dem Gesetz gleich”, Wahlrecht, etc. Diese Ideen sind als “Gleichheit” zwischen den Individuuen gedacht.

Schließlich gibt es – sowohl in religiösen, wie in gesellschaftlichen Konzepten – die Idee der “Rache”: Ob “Auge um Auge” oder das Strafrecht. Wer “Böses” getan hat, dem soll auch “Böses” geschehen. (Viel seltener findet man interessanterweise den Umkehrschluß: Wer “Gutes” getan hat, dem soll auch “Gutes” seitens der Gemeinschaft geschenen.) D.h. hier wieder der Versuchs eines “Ausgleichs”.

Meiner Meinung nach haben all diese Ideen den Haken, daß man versucht, die Schicksale und die Geschichten aller Individuuen gegeneinander abzuwägen. Auf diese Weise kann man es nie schaffen, daß sich jeder immer als “vollkommen gerecht behandelt” fühlen wird. Zu sehr unterschiedlich sind die Schicksale, und sehr oft unabhängig die Situation von der Möglichkeit, diese als Gesellschaft zu beeinflussen. Der Versuch, als Gesellschaft (als Gruppe) und in der Gesellschaft (Gruppe) Gerechtigkeit herbeizuführen ist schlicht nicht durchführbar! Kein System oder Religion, noch so totalitär oder gütig hat es geschafft, alle Handlungen der Menschen und deren Folgen  so “in Einklang zu bringen”, daß am Ende “Gerechtigkeit” herauskommt.

Mein Ansatz ist ein anderer: Nicht die Gerechtigkeit unter den Menschen, nicht zwischen den Menschen, auch nicht eine “vom Gott für den/die Menschen”, sondern die einer “Gerechtigkeit” des einen Menschen, des Individuum, mit sich selbst und mit dem Universum, der Natur, dem Sein. Diese Gerechtigkeit baut und schafft sich der Mensch nur selbst, indem er das Sein mehr und mehr erkundet, erkennt, versteht, und folglich diesen Erkenntnissen seine Handlungen so gestaltet, daß er sich im Einklang und Harmonie, somit in Gerechtigkeit mit dem Sein setzt. Gerechtigkeit ist die erfüllte Harmonie des Lebens zwischen einem Individuum und dem Universum.

Natürlich folgt daraus für die “zwischenmenschliche Gerechtigkeit”, daß je mehr “individuelle Gerechtigkeit” durch einzelne Menschen erreicht wird, desto größer und allgegenwärtig das Gefühl der “irdischen”, für alle (mehrere) existierenden Gerechtigkeit. Denn je mehr von uns sich dem (einzigen, gemeinsamen) Universum in Harmonie nähern und danach leben, desto mehr Harmonie und Gerechtigkeit werden wir zwischen uns und um uns fühlen und erleben.

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