Das Gewissen und seine Rolle
September 8, 2008
Wie schon vorhin geschrieben, das Gewissen ist ein Gleichgewichtsgefühl, ähnlich wie beim Balancieren, das wir bei jeder Tat (auch jedem Willensakt, jeder Beobachtung) empfinden. Es „sagt“ uns, ob sich unser Wesen dadurch der Harmonie, der Nähe mit dem Weltall und dem gesamten Sein, dem Gott, nähert, oder eher entfernt.
Allerdings hängt das Gewissen auch mit unseren Erkenntnissen (auch den unterbewußten) zusammen. Schreiten diese voran, so stärkt und erweitert und vertieft („spitzt“) sich unser Gewissensempfinden. Lassen wir unser Erkenntnisse „verfaulen“, vergessen – wird auch das Gewissen „stumpfer“. Wenn wir in unseren Erkenntnissen in die falsche Richtung gehen, wird auch das Gewissen dadurch „verwirrt“ und „verschmutzt“. In meinen Augen ist das Gewissen also eine Kombination aus dem angeborenen Harmoniegefühl, und den Folgen der Erkenntnisse, die dieses Gefühl, als zwar angeborene Fähigkeit, mit der Zeit beeinflussen können. Offen ist dennoch, in wie weit dieser Einfluß reichen kann. Ich glaube, daß nur begrenzt, so wie beim physischen Gleichgewichtsgefühl: Wir können darin besser oder schlechter werden, doch die Grundeigenschaft kann in einem Menschen nicht verändert werden. So mit dem Gewissen – im Grunde bleibt immer die Ur-Eigenschaft, das Gefühl, ob wir uns der Harmonie mit dem Sein nähern (gute Taten), oder davon entfernen (schlechte Taten).
Durch mehr und mehr gute Taten wird das Gewissen gestärkt, da wir uns durch jede Tat, jeden Akt des Guten (=der Annäherung an das Sein, an Gott) selbst verändern, und besser fühlen. Bei schlechten Taten entfernen wir uns davon, und das Gewissen wird geschwächt. Verschwindet jedoch nicht ganz, und noch weniger wird es durch ein „anderes“, „eigenes“ Gewissen ersetzt. D.h. Menschen können durchaus andere persönliche Moralvorstellungen entwickleln und daran glauben – doch es ist nur eine intellektuelle „Maske“, ein Regeln-Konstrukt an den man zu glauben versucht, jedoch kein natürliches und instinktives Ur-Gefühl wie das Gewissen.
Ein gutes Beispiel für das funktionieren des Gewissens als „Kompass“ zwischen der Annäherung oder Entfernung zum Gott sind Situationen, wo man sich „zwischen zwei Übeln“ (aber auch zwischen zwei Güten“) entscheiden muß, wo man „der guten Tat wegen lügen muß“, oder wo man das „geringere Übel“ (das möglichst große Gute) sucht. Da fühlen wir die Zerrissenheit, indem wir gleichzeitig spüren, wie uns schon das Vorstellen der Entscheidung in zwei Richtungen zerrt, wie wir von zwei Kräften gezogen werden: die eine zum Guten (zur Harmonie), die andere weg davon. Und da ist es natürlich sich für „zwei Schritte nach vorne und einen zurück“ zu entscheiden, für die „bessere Summe“, als gar nichts zu tun.