Fehler und schlechte Taten
September 8, 2008
So wie eine richtige und fortschreitende Erkenntnis gute Taten zur Folge hat, so kann auch eine ungenügende und vor allem falsche Erkenntnis – schlechte Taten, also Fehler, zur Folge haben.
Laut Sokrates muß der Grund solcher Fehler nicht zwangsläüfig der böse Wille eines Menschen sein, sondern ein „Irren“ auf der Suche nach dem Guten. Somit spricht Sokrates falls alle Urheber böser Taten frei: „sie haben es nicht besser gewusst und nur Gutes gewollt.“ Für Sokrates gibt es somit keine „schlechten Menschen“.
Dem widerspreche ich auf folgende Weise: Natürlich ist mal auch die schlecher Erkenntnis, das „Irren“, ein Grund für böse Taten, und nicht immer der Wille. Doch oft genug ist es auch der Wille, der sich in einem Menschen gebildet hat – wegen oder trotz seiner Erkenntisse. Jedenfalls ist der Mensch da nicht von der Schuld zu befreien. Auch an unseren ungenügenden oder falschen Erkenntnissen, und somit Taten, sind wir alleine schuld, jeder für sich. Somit gibt es klarerweise auch „schlechte Menschen“, der Mensch kann durchaus schlecht sein, und nicht „gut-und-richtig-tuend oder gut-aber-leider-in-irre“.
Schlechte Taten, das Tun des Schlechten ist schlechter als das Empfinden/Empfangen der schlechten Taten. Denn das aktive Tun des Schlechten stammt von uns, kommt aus uns heraus, wird in uns als Idee geboren und zum Teil von uns. Es ist unser Wille, der es werden läßt. Und es wäre leichtgläubig anzunehmen, daß es nach der Tat selbst wieder aus uns verschwindet, keine Spuren hinterläßt.
Während schlechte Taten, die uns widerfahren, vielleicht auf den ersten Blick mehr Weh und Leid erzeugen, doch nur oberflächlich, nur physisch oder/und psychisch. Der eigentliche Geist und unser innerstes Wesen wird dadurch unvergleichbar weniger berührt, als wenn es unsere eigene Tat (=aktive Erzeugnis) wäre.
Bei von außen kommenden schlechten Taten tut such unser „ich“ sogar noch immer wehren – und auch wenn selten erfolgreich (denn fremdes Böses tut uns immer weh, selbst wenn es nur bei Absicht blieb) – und wie bei jeder Abwehr stärkt das und lehrt unser Inneres, unser „ich“. Bei eigenen schlechten Taten schwächen wir und zerstören unser „ich“.
Daher sind auch „unsichtbare“ und „unentdeckte“ schlechte Taten ebenso schlecht wie die „sichtbaren“: denn das Schlimmste richten sie in uns selber an. Wir wissen davon, und somit sind es keine „unentdeckten“ Taten.