Ursprung der Gesetze und Bedeutung des Individuums
November 30, 2008
Bis auf s.g. Naturgesetze, wie Schwerkraft oder Älterungsprozess der Zellen, sind sämtliche Gesetze vom Menschen erdacht und geschaffen. Man kann von keinen Gesetzen, Regeln oder Vorschriften behaupten, sie hätten einen göttlichen Urspung, als kämen sie vom Gott. Höchstens kann ein Mensch behaupten, in seinem Gott-Glauben von diesem zu einem Gesetz inspiriert worden zu sein. Das bedeutet aber keinesfalls, daß die Gesetzesidee überhaupt göttlich ist – selbst wenn es wirklich Gott sein sollte, der dazu inspiriert.
Da die gesetzte menschlich sind, sind sie einerseits nur auf die Menschen bezogen, und andererseits nie unfehlbar, nie perfekt, nie endgültig, nie unveränderbar.Es gibt keine absoluten, „heiligen“ Gesetze.
Die Anwendbarkeit der Gesetze auf Menschen bedeutet, daß es sinnlos und lächerlich wäre, Gesetze über und für andere Subjekte als Menschen aufzustellen. Z.B. ein Gesetz über das Meer, die Felsen, die Vögel. Teils könnte man – als Mensch – den Inhalten solcher Gesetze folgen, doch weder das Meer, noch der Fels, noch der Vogel würden sich um so ein Gesetz kümmern. Genauso ist es falsch und sinnlos, gar blasphemisch, Regeln und Vorschriften in Bezug auf Gott aufzustellen, z.B. wie man den Gott betrachten soll, wie der Gott was regelt und beurteilt, oder wie man sich in Bezug zu Gott verhalten sollte (Beten, Sündenfragen).
Auch Moralfragen und -Grundsätze sind rein unter den Menschen ausgemacht. Aus diese kommen von keinem Gott, und sind weder heilig noch absolut, noch perfekt. Sie sind wie andere Vorstellungen, die in Gesetzte umgesetzt wurden – rein menschliche Regeln, aus gewissen Erfahrungen, Wünschen, Situationen entstanden. Sie sollen oft eine Gemeinschaft wie das Individuum regulieren, schützen, lehren.
In der Praxis ist es aber meistens so, daß der Mensch, erst recht in Form einer Gemeinschaft, viel eher ein Gesetz oder eine Moralregel akzeptieren wird, wenn man behauptet und man ihm glaubhaft macht, daß diese vom Gott kommt. Denn mit Gott kann man nicht verhandeln, man kann seine Weisungen nicht anzweifeln – also auch die Regel, das Gesetz.
Das Individuum sollte also immer sich bewußt sein, daß JEDES Gesetz und JEDE Regel von anderen Menschen erdacht und eingeführt wurde. Somit ist keines absolut, keines heilig, keines unveränderbar, jedes abschaffbar.
Da die von (anderen) Menschen erschaffenen Gesetze das Leben des Individuums von oben herab beinflussen (ob einengen, stabilisieren, oder erweitern), und nur in seltesten Fällen die Gesetzte von dem Individuum selbst und bewußt alleine erschaffen wurden, muß immer klar sein, daß solche Gesetze nie vollkommen mit dem Individuum ident und harmonisch sein können. Jedes – durchdachte – Gesetz oder Regel, daß ein Mensch sich selbst schafft, wird ihm näher, wirklicher und natürlicher sein als jedes „Fremd-“ oder „Gemeinschafts-Gesetz“. Daher sind die Gemeinschaftsgesetze immer mit Distanz, Skepsis und Vorsicht zu bewerten.
In der Praxis passiert es ohnehin, daß die Menschen meiste den eigenen Regeln gehorchen, und den allgemeinen nur, wenn sie davon profitieren. Profitieren im Sinne, daß ihnen entweder direkt etwas gutes davon kommt, oder daß ein Übel (ggf. eine Strafe seitens der Gemeinschaft) nicht eintritt. Der Mensch ist egoistisch, und kalkuliert sein Verhalten – oft wird er zwar „öffentlich“ sich zu einem Gesetz bekennen, im Geheimen und in der Praxis nur teilweise diesem Gesetz folgen. Der Mensch agiert aber nicht immer strikt egoistisch – oft lernt der Mensch, daß es Sinn macht, seiner Gemeinschaft (Familie, Freundeskreis, Dorf, Staat) etwas Gutes zu erweisen als nur sich selbst, da in der längeren Folge es für den Menschen selbst auch vorteilhafter ist, als nur immer den eigenen Vorteil zu suchen. Und das ist auch der praktische Grund, daß viele Gesetze Sinn machen und Unterstützung finden – jedoch nicht, weil diese so „göttlich“ oder „weise“ wären.
Aus der Tatsache, daß kein allgemeines Gesetz mit einem einzelnen Menschen besser harmonieren kann, als seine eigenen Regeln und Gesetze, folgt, daß – aus der Sicht dieses Menschen – das _Individuum immer wichtiger sein muß als eine Gruppe, eine Gemeinschaft, ein Stamm, ein Staat. Denn jeder Mensch ist sich selbst viel näher und wichtiger als noch die beste Gemeinschaft. Kein Gesetz der Gemeinschaft, das über oder gegen den Wünschen und den Willen des Individuums existiert, wird von diesem Individuum vollkommen akzieptiert werden.