Allgemein habe ich bereits gesagt, daß der Staat, wie jede – je größere – Gemeinschaft – bestenfalls das kleinste Übel ist.

Je größer jedoch der Staat, desto entfernter ist er als ganzes vom Bürger, desto weniger kann sich der Bürger damit identifizieren, darin sich harmonisch widerspiegeln und erkennen. Und je größer und zentralistischer der Staat – angenommen er sei identisch demokratisch wie ein kleinerer – desto weniger hat der Bürger darin eine Gestaltungsmöglichkeit.

Diese Gründe führen oft zur Desinteresse, zur Entfremdung des Bürgers von seinem Staat: Er intessiert sich dafür weniger, glaubt daran weniger, ist in so einem Staat weniger motiviert. Daraus folgt, daß er passiver wird: er wählt seltener oder gar nicht, kommt im Schnitt weniger auf die Idee, sich für Staatsfunktionen zu bewerben, er protestiert weniger und weniger, wenn im Staate was faul ist oder sich falsch entwickelt.

Solche „Faulheit“ kann auch bedeuten, daß ein Bürger zwar wählen geht, aber sich kaum Mühe macht, die für die Entscheidung wichtigen Informationen einzuholen und sich dann eigene Gedanken zu machen. Nur allzugerne werden gar keine Informationen eingeholt, und ebenso wenig tiefgründig nachgedacht. Und allzu oft werden stattdessen fremde Idee, Slogans und Meinungen übernommen, allzugerne lassen sich Bürger vom Herdentrieb leiten.

Die Wahl-Passivität und das Desinteresse ist ein Teufelskreis: Je seltener ich mitentscheide, desto fremder ist mir der Staat, was mich wiederum dazu führt, noch weniger mitzumachen. Dies führt dazu, daß mit der Zeit, mit der Abnahme der Wahlbeteiligung der Bürger, eine immer kleinere Gruppe im Staat entscheidet.

Das Desinteresse an Funktionen oder Aufgaben im Staat führt noch schneller und stärker zur Bildung einer „staatsführenden“ Elite, zu einem Politiker-(Berufs-)Stand.

Man muss aber auch in beiden Fällen zugeben, daß es auch bei einem durchschnittlich gut funktionierendem, bürgernahem und kleinem Staat immer Bürger geben wird, die – ob aus Dummheit oder aus Klugkeit (in der Annahme, wichtigeres zu tun) oder Faulheit – die Aktivitäten und Wahlen im Staat anderen zu überlassen. Diese Entscheidung sollte man niemandem verübeln – es ist eine freie Entscheidung dieses Bürgers, und somit nicht unsere Sache.

Man sollte aber immer aufmerksam sein, ob es im Staat nicht Kräfte gibt, die absichtlich zum Desinteresse und Passivität der Bürger am Staat beitragen wollen – die also ein Interesse daran haben, daß immer weniger Bürger mitentscheiden und sich mit dem Staat identifizieren. Und somit es leichter ist, in dem Staat die Kontrolle zu übernehmen, oder zumindest den eigenen Anteil an den Entscheidungen oder Posten zu stärken.

Sokrates rät (einem Philosophen) allerdings, lieber fern von der aktiven Rolle im Staat zu sein (womit er politische Tätigkeit meint), und daß man lieber „im Stillen“ für seine Überzeugungen kämpfen sollte. Diese Meinung besagt jedoch nicht, der Philosoph solle sich von dem Geschehen im Staate entfernen oder dazu passiv stehen. Es besagt, daß man al Philosoph mehr eigene Energie und Zeit auf die besser geeigneten Mittel verwenden soll – was für einen Philosophen oft mehrere Hintergrundgespräche sein können, womit er mehr erreicht, als durch Wahl-Agitation oder politische Posten.

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