Der Zufall

Dezember 1, 2008

Der Zufall dient oft als Erklärung oder Entschuldigung für Geschehnisse, die wir schlecht oder schwach klassifizieren, definieren, erklären können. Vor allem bei negativen Geschehnissen, die wir dazu nicht verstehen können, reden wir gerne vom „Unglücksfall“, „bösem Zufall“, „Pech“.

Abgesehen davon, daß wir da uns öfter über die „negativen Zufälle“ ärgern, und es sogar als „Verschörungstheorie des Weltalls gegen uns“ darstellen, wird der „Zufall“ gerne als Ausrede für unsere Unkenntnis genommen.

Man sagt, das Freisein von materiellen Dingen erleichert das Denken. Man könnte aber auch anders: das Fehlen der materiellen Sorgen erleichtert das Denken. Oder: Materielle Dinge fördern das Denken – als Anhaltspunkte, Inspirationen, Kritikpunkte. Man könnte auch sagen: das Freisein von den geistigen Dingen erleichtert das Leben und fördert das Glück. Doch da wird klar, daß es sich nur um ein scheinbares Glück handelt, um das Glück nicht einmal eines „Dummen“, sondern eines, der sich selber anlügt: „Ist mir lieber, ich muß darüber nicht nachdenken…“ Also?

Meiner Meinung nach ist das Denken, und somit das Erkennen, Verstehen wichtig und notwedig zum wahren Glücklichsein.

Die materiellen Dinge tun hier in Wirklichkeit weder stören: wer wirklich nachdenken will, wird schon nicht abgelenkt. Noch fördern: kein materieller Gegenstand oder Wesen ist für das Weiter-Denken unabdingbar.

Die menschliche Erkenntnis kann niemals objektiv sein, da es nie vollständig sein kann, auch nie beweisbar. Jeder Mensch benutzt seine eigenen Sinne, erkennt und forscht nach eigenen Methoden, und kommt zu anderen Schlüssen (abgesehen vom Problem der Sprache, der Definitionen, des Interpretierens). Daher ist es eine natürliche Sache, daß wir meistens das Gefühl haben, daß die meisten anderen Menschen eine andere, eine falsche oder unvollkommene Meinungen (Ergebnisse deren Erkenntnisse) haben. Die bescheidenen unter uns sehen es noch so, als wäre vielleicht nicht die andere, sondern die eigene Erkenntnis falsch.

Dennoch sind diese gegensätzlichen Erkenntnisse keineswegs ein Paradoxon: Im Gegenteil, sie beweisen geradezu, daß wir menschen, so beschränkt wir sind, nur Teile des Ganzen verstehen und erkennen können. Die Gegensätze sind also nur scheinbar, weil begrenzt. Wer nur ein Stück Reifengummi sieht, der andere nur ein Stück Glas, der wird nicht zum Ergebnis kommen, daß beides die Beweise eines Auto-Unfalls und Teile eines Autos sind/waren. Wenn 10 Menschen nur 100 Meter hinein in das Stadtgebiet von Tokio reingehen, oder von Mexico City, werden sie alle was anderes davon erzählen, und kaum dazu kommen, daß es jeweils eine Stadt ist.

Also, es ist uns unmöglich, die volle Harmonie der Welt zu erkennen, dabei sehen wir viele scheinbare Gegensätze, und werden dadurch vielleicht verwirrt, geärgert, enttäuscht.

Im Unkehrschluß bedeutet es aber, daß je mehr Erkenntnisse wir sammeln, und je mehr wir kommunizieren und diese notieren, desto weiter kommt die gesamte Erkenntnis der Menschheit. Daß diese dabei die volle Erkenntnis nicht erlangen wird, ist vorauszusehen, aber kein Grund, die Erkenntnis zu lassen.

Zusätzlich kommt noch das schöne dazu, daß auch partielle Erkenntnisse, Zusammenhänge und das Schöne, Klare und Harmonische der Welt und des Gottes zeigen können. Jer mehr Erkenntnisse, desto mehr klare und logische Zusammenhänge, desto mehr Verständnis und Freude über das Sein.

Diese Unvollkommenheit des Menschen, auch der Menschheit was die Erkenntnis und das vollständige Wissen angeht, ist einer der wichtigsten Unterschiede zu Gott. Es ist ein grundstätzlicher Unterschied, unveränderbar. Daher kann der Mensch nie Gott vollkommend verstehen, und wird es auch nie schaffen. Also bleiben religiöse Konzeptionen oder Wertungen des Gottes reine Spekulation, Spielerei, Wunschdenken. Der Mensch schafft es oft nicht einmal, den anderen Menschen zu verstehen, umso weniger also könnte er Gott verstehen!

Es ist dem Menschen unmöglich, die Welt, das Sein vollständig zu erkennen, und damit vollständig zu verstehen.

Allerdings, da wie vorhin gesagt, der Mensch von der materiellen und geistigen Substanz ein Teil des gesamten Seins ist, da sein Wesen von derselben Natur wie das Wesen der Welt ist, hat er die Chance, mit Hilfe dieser Artverwandschaft die Welt teilweise kennenzulernen.

Wenn man das Ziel der vollständigen Erkenntnis beiseite legt, zeigt sich, daß diese Artverwandschaft ein ungeheuer wichtiger Vorteil ist bei Versuchen der Erkenntnis. Man muß nicht etwas artfremdes kennenlernen, sondern etwas artverwandtes, daß „lediglich“ (in jeder Hinsicht) größer/mächtiger/komplexer ist.

Der Mensch kann also partielle Erkenntnisse gewinnen, und auch wenn diese nicht die gesamte Wirklichkeit des Seins erklären können, können sie eben Teile des gesamten Seins aufzeigen, und erklären. Und wie bei einem Puzzle, oder bei einem Detektivspiel, kann man manchmal aus Teilen zwar nicht das gesamte Bild, so doch Bruchstücke kennenlernen. Und manchmal dann sogar wagen, daraus Folgerungen auf das Gesamte abzuleiten.

Auch wenn diese partielle Erkenntnisse nur Bruchstücke des Gesamtbilds des Seins sein sollten, und und keinerlei Hilfe bei der Erstellung des Gesamtbilds sein sollten – ist das menschliche Erkennen wichtig und gut. Indem wir die Natur, die Welt, (das Sein, den Gott), deren alle Teile erforschen, erkennen, und verstehen – verstehen wir die Welt immer besser. Es mag manchmal scheinen, daß mehr Wissen (als Information) weniger Wissen (als Weisheit) erscheint – doch es ist nur eine Empfindung des nach schneller Klarheit geizendem Mensch. In Wirklichkeit ist jede, noch so „verwirrende“ Erkenntnis und Entdeckung, ein Schritt näher an das Verstehen des gesamten Seins.

Und je mehr wir sowohl die Teile, die auch das gesamte Sein erkennen und verstehen, umso wohler (weil klarer, weniger fremd) werden wir uns in dieser Welt fühlen.

Manchmal scheint die Welt zwar diffus oder gar paradox, ohne Sinn, Gerechtigkeit und Ziel, doch je mehr wir sie kennenlernen, wird uns mehr und mehr ersichtlich, daß all diese einzelnen Gegensätze eine gesamtheitliche Harmonie bilden.

Es liegt allerdings an uns, immer wieder und immer weiter an der Erkenntnis zu arbeiten. Je weniger wir es tun, desto verwirrender und damit fremder, schlechter, wird uns die Welt und Gott erscheinen.

Erkennung Gottes

März 13, 2008

Wie schon im vorigen Text erwähnt, (wenn es ihn/sie gibt) ist es mit den Möglichkeiten, mit dem Potenzial des Homo Sapiens unmöglich, die Existenz oder Nicht-Existenz des Gottes oder mehrerer Götter zu beweisen.

Es ist gar nicht möglich, auch ein Wesen, eine Kraft zu beweisen, der/die als Schöpfer (wenn auch nicht notwendig „Gott“) und geschaffen hat – angenommen, diese ist „von einer höheren Art“. Es wäre so, als würde ein kleines Computerprogramm die Existenz des Programmierers (nicht des Computers) beweisen können!

Außerdem, wenn es einen Gott gibt, dann wäre es doch kein Gott, nicht göttlich, wenn er von uns beweisbar wäre.

Offen ist allerdings, ob wir „Bruchstücke Gottes“, kleine Beweise für ihn (also kein Glaube an ihn!) in unserem Leben und Welt entdecken können, und ob diese Hinweise, diese Spuren tatsächlich den Gott beweisen könnten. Denn, angenommen sie wären tatsächlich die Spuren Gottes, Hinweise auf ihn – woher hätten wir diese Sicherheit, daß sie es sind? Denn der Mensch kann nur darüber etwas beweisführen, das ihm von der geistigen Art unterliegt – auch wenn nicht beherrschbar bleiben kann (Galaxien, medizinische und chemische Erkenntnisse, Erkenntnisse über die Vergangenheit). Dann bleiben nur Annahmen, Wahrscheinlichkeiten, und Glaube, auf jeden Fall aber auch gesunde Skepsis.

Wir sind wie eine Ameise, die nur darüber rätseln kann, warum der Ameisenhaufen z.B. zerstört wurde. Selbst wenn es der Ameise gelingen sollte, zu erkennen, daß es nicht ein Kind, sondern ein Bagger war – es wird ihr nie möglich sein, zu erkennen, ob es eine geplante (von wem? – dem Arbeiter, dem Bauleiter?) Handlung war, und welche Gründe dahinter stecken.

Aus meiner Sicht ist es unmöglich, daß der Mensch, mit seiner Vorstellungsgabe und Denkvermögen, imstande ist, die Welt und das Sein zu verstehen.

Die Gründe sind ganz einfach: wir leben zu kurz, zu sehr ortsgebunden, und unser Gehirn hat zu wenig Potenzial, die Welt vollständig zu erkunden.

Es ist so, als würden wir imstande sein, zwischen 1 und 100m in die Stadtgrenzen von Mexico City reinzugehen, bzw. schon dort nur in dem Umkreis von max. 50m rumzugehen – und würden versuchen, diese Stadt vollständig zu erkunden und dann zu verstehen.

Oder als wären wir eine Ameise in einem Dorf – wieviel über den/die Bauern, über die Gebäude, vom Land und dem Globus würden wir schon erkennen?

Natürlich entwicklelt sich der Mensch als Spezies und die Menschheit an sich, d.h. sowohl wachsen die Möglichkeiten unseres Gehirns, wie auch das Wissen der Menschheit, wir müssen nicht alles vom neuen erfinden. Dennoch wird es, glaube ich, den Menschen nie möglich sein, daß deren Wissen und Erkenntnis der Welt und des Seins vollständig oder gar „größer als 50%“ sein werden.

Manche meinen sogar, mit der Entwicklung des Wissens entfernt sich für den Menschen die Klarheit über die Welt und das Sein, weil jede Entdeckung mehr als eine neue Frage aufwerfen.

Dem kann man entgegnen, daß man sehr wohl zwischen „Mengen-Wissen“ und „Weisem Wissen“ unterscheiden sollte, wie auch, daß eine „Klarheit dank weniger Wissenschaft“ eine Verblendung ist.

Ebenso unmöglich ist es, daß der Mensch erkennt, beweist, ob es z.B. einen/mehrere Gott/Götter gibt, bzw. „Wesen/Kräfte höherer Art“, ganz zu schweigen von dem Beweis, dass es diese nicht gibt. Wohl deshalb gibt es den Glauben – ob den religiösen, den agnostischen, oder den atheistischen.

Ich denke, daß es für den Menschen sehr wichtig ist diese seine Begrenztheit, Beschränktsein im Auge zu behalten. Nicht als Defätismus oder Fatalismus, sondern als eine „weise Demut“. Jedenfalls als ein Gegengift zur menschlichen Hochmut.

Denn die Beschränktheit bedeutet keinesfalls, daß jegliche Bestrebung, Bemühung und Arbeit an der Erkenntnis seitens eines Menschen sinnlos sein soll. Der Mensch und die Menschheit kann/können durchaus viel selber erkennen, lernen, mehr und mehr die Welt zu verstehen. Kann sein, daß es eine exponentielle Erkenntnikurve ist, d.h. mit der Zeit die Erkenntis immer weniger zunehmen wird. Dennoch – je mehr wir die Welt um uns erkennen, desto besser erkennen wir uns selbst.