Mein Konzept der Gerechtigkeit
Juli 26, 2008
Die Konzepte der „Gerechtigkeit“ sind durchwegs eine Erfindung des Menschen. Sehr oft werden diese als „Gleichheit“ oder „Ausgleich“ verstanden.
Einerseits die meisten religiösen Konzepte, die dem Menschen die „Gerechtigkeit“ mittels der Idee des „Lebens im Jenseits“ anbieten: Im Leben danach soll es entweder einem besser oder schlechter als „hier“ ergehen, je nachdem, wie man „hier“ gelebt hatte. Oder aber wird das „Leben danach“ als Reinkarnation verstanden, aber auch hier handelt es sich um eine neue Existenz, die besser/schlechter aufgrund der jetztigen Existenz sein soll. In diesem Fall also ein „Ausgleich“.
Dann gibt es die „Gerechtigkeit“, die die kommunistisch/sozialistischen Konzepte beinhalten. Hier soll bereits in „diesem Leben“ erreicht werden, daß (vor allem, leider, nur Materiell) die Menschen „gleich“ werden. Auch viele demokratische Gesellschafts- und Gesetzeskonzepte beinhalten diese „irdische“ Gleichheit, auch wenn eingeschränkt: „Alle sind vor dem Gesetz gleich“, Wahlrecht, etc. Diese Ideen sind als „Gleichheit“ zwischen den Individuuen gedacht.
Schließlich gibt es – sowohl in religiösen, wie in gesellschaftlichen Konzepten – die Idee der „Rache“: Ob „Auge um Auge“ oder das Strafrecht. Wer „Böses“ getan hat, dem soll auch „Böses“ geschehen. (Viel seltener findet man interessanterweise den Umkehrschluß: Wer „Gutes“ getan hat, dem soll auch „Gutes“ seitens der Gemeinschaft geschenen.) D.h. hier wieder der Versuchs eines „Ausgleichs“.
Meiner Meinung nach haben all diese Ideen den Haken, daß man versucht, die Schicksale und die Geschichten aller Individuuen gegeneinander abzuwägen. Auf diese Weise kann man es nie schaffen, daß sich jeder immer als „vollkommen gerecht behandelt“ fühlen wird. Zu sehr unterschiedlich sind die Schicksale, und sehr oft unabhängig die Situation von der Möglichkeit, diese als Gesellschaft zu beeinflussen. Der Versuch, als Gesellschaft (als Gruppe) und in der Gesellschaft (Gruppe) Gerechtigkeit herbeizuführen ist schlicht nicht durchführbar! Kein System oder Religion, noch so totalitär oder gütig hat es geschafft, alle Handlungen der Menschen und deren Folgen so „in Einklang zu bringen“, daß am Ende „Gerechtigkeit“ herauskommt.
Mein Ansatz ist ein anderer: Nicht die Gerechtigkeit unter den Menschen, nicht zwischen den Menschen, auch nicht eine „vom Gott für den/die Menschen“, sondern die einer „Gerechtigkeit“ des einen Menschen, des Individuum, mit sich selbst und mit dem Universum, der Natur, dem Sein. Diese Gerechtigkeit baut und schafft sich der Mensch nur selbst, indem er das Sein mehr und mehr erkundet, erkennt, versteht, und folglich diesen Erkenntnissen seine Handlungen so gestaltet, daß er sich im Einklang und Harmonie, somit in Gerechtigkeit mit dem Sein setzt. Gerechtigkeit ist die erfüllte Harmonie des Lebens zwischen einem Individuum und dem Universum.
Natürlich folgt daraus für die „zwischenmenschliche Gerechtigkeit“, daß je mehr „individuelle Gerechtigkeit“ durch einzelne Menschen erreicht wird, desto größer und allgegenwärtig das Gefühl der „irdischen“, für alle (mehrere) existierenden Gerechtigkeit. Denn je mehr von uns sich dem (einzigen, gemeinsamen) Universum in Harmonie nähern und danach leben, desto mehr Harmonie und Gerechtigkeit werden wir zwischen uns und um uns fühlen und erleben.
Gerechtigkeit und die Rolle Gottes
Juli 26, 2008
Der Begriff „Gerechtigkeit“ ist eine Idee des Menschen, nicht die des Gottes. Meistens aber erwartet der Mensch vom Gott, es solle eine Gerechtigkeit geben, bzw. daß die Welt „gerechter“ werden sollte (als sie ist). Man fordert daher Gott auf, etwas zu tun, was man sich selbst erdacht hat. Und ist dann noch öfter enttäuscht, wenn dieser Gott unseren Wünschen und Vorstellungen nicht folgt.
Ich meine, wir sollten den Gott aus unserer Vorstellung und Wunsch der Gerechtigkeit heraushalten. Mag sein, daß Gott als die Kraft des Universums eine eigene Vorstellung und sogar die reele Existenz einer Gerechtigkeit zugelassen und erdacht hat. Aber wir, als Menschen, mit unserem schwachen und immer subjektivem Möglichkeit der Erkenntnis, werden nie imstande sein, diese vollkommen zu begreifen, oder gar deren Existenz zu merken. Der Mensch ist nicht imstande objektiv festzustellen, ob die Welt „gerecht“ oder „ungerecht“ gestaltet und „regiert“ wird.
Eine göttliche Gerechtigkeit wäre auch qualitativ völlig anders als die in unserer Vorstellung, wäre damit nicht vergleichbar: genauso wie wenig unser Erkenntnis, Wissen, Macht mit denen des Gottes vergleichbar sind.
Natürlich soll das die Menschen nicht davon abhalten, sofern sie dies für sinnvoll erachten, der eigenen Vorstellungen nach „Gerechtigkeit“ nachzugehen. Nur dann müssen sie es erstens selber tun, und zweitens nur sich dafür verantwortlich machen.
Die Anzeichen einer „Ungerechtigkeit“ oder gar des „Unglücks“, die der Mensch sieht, sind bloß Ereignisse aus seiner beschränkten Perspektive, die er bewertet. Bei einer vollen, göttlichne Perspektive würden dieselben Ereignisse und Taten sehr wahrscheinlich anders aussehen. Nich unbedingt ganz verkehrt; es ist auch möglich daß für uns scheinbar „gerechtigkeitsneutrale“ Taten gerecht/ungerecht sind, oder daß die göttliche Gewichtung ganz anders aussieht. Daraus folgt auch, daß unsere Ideen über die „Göttlichen Gebote“ oder dessen „Strafen“ oder „Belohnungen“ für unsere Taten jeglicher Grundlage entbehren.
Es ist meiner Meinung auch falsch, zu denken und zu erwarten, daß Gott „Opfer“ von uns erwartet, oder gar durch diese „seine Meinung“ ändert und für uns „was tut“. Was wäre das eine schrecklich lächerliche Vorstellung eines Gottes, einer Kraft des Universums, wenn man diesen durch kleine, menschliche Opfer (Geld, Büßen, Tieropfer, etc.) beeinflussen könnte!!
Natürlich ist es gut, gutes zu tun – doch damit tun wir nicht (in erster Linie) dem Gott oder dem Universum was gut, sondern uns selbst. Denn gute Taten sind Taten im Einklang mit dem Universum, und je mehr „Einklang wir aus uns heraus erzeugen“, desto mehr nähern wir uns selbst der Harmonie mit dem Universum – also dem Glück und der Erfüllung.
Das Leben nach dem Tod
März 28, 2008
Ich glaube nicht an ein Leben oder Weiterexistieren des Menschen nach dessen Tod.
Das schließt für mich allerdings in keiner Weise die Möglichkeit der Existenz eines Gottes aus.
In den meisten Religionen bzw. Glaubensansätzen werden die beiden Punkte verknüpft, sogar sehr stark. Entweder enger – d.h. man glaubt an ein Weiterleben „im Himmel/Fegefeuer/Hölle“, „im Paradies“, „im Nirvana“ (Christentum, Islam, Hinduismus, die meisten s.g. „primitiven Glauben“, oder – in indirekter Form – man glaubt an ein Weiterleben als „Reinkarnation“, als „Geist“, als „Seele im Universum“.
Der Grund für eine solche Verknüpfung von „Gott“ einerseits, und „Weiterleben“ andererseits liegt in der Idee der „Gerechtigkeit“: Der Mensch hat den Eindruck, daß in „dieser Welt“ (ihm oder allgemein allen) keine Gerechtikgeit geschieht, und davon ausgehend, daß es eine solche „Gerechtigkeit“ auf jeden Fall in einer Welt geben sollte/müßte (wenn es schon einen „Gott“, der auch „gerecht“ sein sollte, gibt) – und daher wird diese „Gerechtigkeit“ in einer anderen Lebensform, nach dem Tod (oder im neuen Leben) wiederhergestellt, daß es dann doch zu einer Balance kommen muß.
Ein solcher Glaube (ein solcher Wunsch) beinhaltet zwei große Fehler: Erstens, man versucht, Gott zu definieren („er/sie/es muß gerecht sein“). Zweitens, die „Gerechtigkeit“ müsse und könne es geben, diese sei glücksbringend bzw. an sich „gut“. Außerdem macht damit der Mensch den „Gott“ zu seinem Diener (auch wenn in „Vater/Mutter/Herrscher/Lehrer“-Funktion): Man erwartet vom „Gott“, etwas für den Menschen tun zu müssen – die „Gerechtigkeit wiederherzustellen“ oder „eine weitere Chance einem Menschen zu geben“ (Reinkarnation).
In meinem Verständnis haben wir Menschen nicht nur kein Recht, sondern auch keine Fähigkeiten, nicht nur über die Existenz, sondern auch über die Ziele, Wertvorstellungen und das Tun Gotten zu urteilen. Mag sein, daß es Gott gibt, mag auch sein, daß es sogar Gerechtigkeit gibt, mag sein, daß es tatsächlich „ein Leben danach“ gibt. Ist es aber richtig (und gesund) für den Menschen, es zu erwarten? Kein Wunder, daß manche Religionen als „Opium fürs (dumme/arme) Volk“ ansehen.
Was meinen persönlichen Glauben angeht, so glaube ich zwar an einen „Gott“ (bzw. „Kraft“) , nicht aber an „ein Leben danach“. Aufrichtiger, auch wenn unpräziser und „es mir einfach machend“ würde ich sagen: Ich glaube eher, daß es einen Gott gibt, als daß es ihn nicht gibt, während ich es mit dem „Leben danach“ genau umgekehrt sehe: eher nicht.
Auch, weil ich es aus oben erwähnten Gründen für unanständig finde, daß der Mensch vom Gott etwas erwarten sollte, daß der Mensch einem Gott seine (des Menschen) Ideale vorschreibt („Gerechtigkeit“), und schließlich, weil ich es zu platt finde, daß die Welt so konstruiert sein sollte, daß alles immer („irgendwann“, „irgendwie“) aufgewogen wird.
Auf keinen Fall glaube ich an „Gottes Gerechtigkeit“. Schon eher, wenn schon ein „Weiterleben“, dann aufgrund von Gottes „weise Barmherzigkeit“: Jeder wird nach dem Tod weiterleben und beglückt werden. Aber eben nicht als „Lohn“, sondern als „unverdiente Überraschung“. Das wäre aber schon ein anderes Thema.
Schließlich finde ich die Vorstellung, das irdische Leben sei nur eine „Vorstufe“ zum „richtigen“ Leben-Danach, unmoralisch, sofern man gleichzeitig an Gott glaubt. Denn was wäre das für ein schrecklicher Gott, der mit uns ein Spiel treibt, dem wir als Experiment-Kaninchen dienen, der uns auf eine Probe stellt, und je nachdem wir uns verhalten, wird und ein besseres oder schlechters Jenseits, Belohnung oder Strafe, erwarten. Hat ein Gott sowas nötig??? Die Menschen sollten glauben, daß wenn sie was Gutes tun, dies nicht vor allem als „Plus für das Jenseits-Konto“ gewertet wird und Sinn hat, sondern daß es bereits in diesem Leben und direkt für die Beteiligten wichtig ist, Gutes zu tun. Ebenso bei bösen Taten. Beides gilt für unsere einzige Existenz, und hat Auswirkungen vor allem für uns – schon hier.
Wenn man all das bedenkt, verschwinden Gedanken wie „Wie kann Gott sowas hier auf Erden erlauben?“ oder wie „später wird es eine Strafe / eine Belohnung geben, und nur dafür lohnt es sich zu leben“.