Bis auf s.g. Naturgesetze, wie Schwerkraft oder Älterungsprozess der Zellen, sind sämtliche Gesetze vom Menschen erdacht und geschaffen. Man kann von keinen Gesetzen, Regeln oder Vorschriften behaupten, sie hätten einen göttlichen Urspung, als kämen sie vom Gott. Höchstens kann ein Mensch behaupten, in seinem Gott-Glauben von diesem zu einem Gesetz inspiriert worden zu sein. Das bedeutet aber keinesfalls, daß die Gesetzesidee überhaupt göttlich ist – selbst wenn es wirklich Gott sein sollte, der dazu inspiriert.

Da die gesetzte menschlich sind, sind sie einerseits nur auf die Menschen bezogen, und andererseits nie unfehlbar, nie perfekt, nie endgültig, nie unveränderbar.Es gibt keine absoluten, „heiligen“ Gesetze.

Die Anwendbarkeit der Gesetze auf Menschen bedeutet, daß es sinnlos und lächerlich wäre, Gesetze über und für andere Subjekte als Menschen aufzustellen. Z.B. ein Gesetz über das Meer, die Felsen, die Vögel. Teils könnte man – als Mensch – den Inhalten solcher Gesetze folgen, doch weder das Meer, noch der Fels, noch der Vogel würden sich um so ein Gesetz kümmern. Genauso ist es falsch und sinnlos, gar blasphemisch, Regeln und Vorschriften in Bezug auf Gott aufzustellen, z.B. wie man den Gott betrachten soll, wie der Gott was regelt und beurteilt, oder wie man sich in Bezug zu Gott verhalten sollte (Beten, Sündenfragen).

Auch Moralfragen und -Grundsätze sind rein unter den Menschen ausgemacht. Aus diese kommen von keinem Gott, und sind weder heilig noch absolut, noch perfekt. Sie sind wie andere Vorstellungen, die in Gesetzte umgesetzt wurden – rein menschliche Regeln, aus gewissen Erfahrungen, Wünschen, Situationen entstanden. Sie sollen oft eine Gemeinschaft wie das Individuum regulieren, schützen, lehren.

In der Praxis ist es aber meistens so, daß der Mensch, erst recht in Form einer Gemeinschaft, viel eher ein Gesetz oder eine Moralregel akzeptieren wird, wenn man behauptet und man ihm glaubhaft macht, daß diese vom Gott kommt. Denn mit Gott kann man nicht verhandeln, man kann seine Weisungen nicht anzweifeln – also auch die Regel, das Gesetz.

Das Individuum sollte also immer sich bewußt sein, daß JEDES Gesetz und JEDE Regel von anderen Menschen erdacht und eingeführt wurde. Somit ist keines absolut, keines heilig, keines unveränderbar, jedes abschaffbar.

Da die von (anderen) Menschen erschaffenen Gesetze das Leben des Individuums von oben herab beinflussen (ob einengen, stabilisieren, oder erweitern), und nur in seltesten Fällen die Gesetzte von dem Individuum selbst und bewußt alleine erschaffen wurden, muß immer klar sein, daß solche Gesetze nie vollkommen mit dem Individuum ident und harmonisch sein können. Jedes – durchdachte – Gesetz oder Regel, daß ein Mensch sich selbst schafft, wird ihm näher, wirklicher und natürlicher sein als jedes „Fremd-“ oder „Gemeinschafts-Gesetz“. Daher sind die Gemeinschaftsgesetze immer mit Distanz, Skepsis und Vorsicht zu bewerten.

In der Praxis passiert es ohnehin, daß die Menschen meiste den eigenen Regeln gehorchen, und den allgemeinen nur, wenn sie davon profitieren. Profitieren im Sinne, daß ihnen entweder direkt etwas gutes davon kommt, oder daß ein Übel (ggf. eine Strafe seitens der Gemeinschaft) nicht eintritt. Der Mensch ist egoistisch, und kalkuliert sein Verhalten – oft wird er zwar „öffentlich“ sich zu einem Gesetz bekennen, im Geheimen und in der Praxis nur teilweise diesem Gesetz folgen. Der Mensch agiert aber nicht immer strikt egoistisch – oft lernt der Mensch, daß es Sinn macht, seiner Gemeinschaft (Familie, Freundeskreis, Dorf, Staat) etwas Gutes zu erweisen als nur sich selbst, da in der längeren Folge es für den Menschen selbst auch vorteilhafter ist, als nur immer den eigenen Vorteil zu suchen. Und das ist auch der praktische Grund, daß viele Gesetze Sinn machen und Unterstützung finden – jedoch nicht, weil diese so „göttlich“ oder „weise“ wären.

Aus der Tatsache, daß kein allgemeines Gesetz mit einem einzelnen Menschen besser harmonieren kann, als seine eigenen Regeln und Gesetze, folgt, daß – aus der Sicht dieses Menschen – das _Individuum immer wichtiger sein muß als eine Gruppe, eine Gemeinschaft, ein Stamm, ein Staat. Denn jeder Mensch ist sich selbst viel näher und wichtiger als noch die beste Gemeinschaft. Kein Gesetz der Gemeinschaft, das über oder gegen den Wünschen und den Willen des Individuums existiert, wird von diesem Individuum vollkommen akzieptiert werden.

Aus dem Bösen kann auf direktem Wege kein Gutes werden.

Das Böse kann durch ein anderes Böses bekämpft und auch getilgt werden. Wäre es nicht so, könnte das Böse sich unbegrenzt vermehren, ohne ab und zu, partiell, gut sein zu müssen. Dem ist aber nicht so, denn selbst das Böse braucht Kooperationen, Solidarität, Kreativität. Der paradoxe Umkehrschluß, daß es ohne des (kleines, dem Bösen nützlichen) Guten kein Böses gäbe, ist wahr – auch wenn nur langfristig. Denn wenn nur Böses existieren würde, wäre es vollkommen, und würde es sich gegenseitg oder selbst nach und nach zerstören.

Aus dem obigen folgt jedenfalls auch ein anderer Gedanke: Dass das Böse sich oder ein anderes Böses bekämpfen kann, und gegebenfalls tilgen kann. Sollte man daher auch Situationen und Lösungsvorschlägen zustimmen, in denen man ein Böses nimmt (oder es gewähren läßt), in der Annahme (oder nur Hoffnung!), daß es das „üblere Böse“ vertilgen wird?

Meiner Meinung nach nein.

Erstens, kann so eine kalkulierte (oder nur durch Hoffnung fundierte) Annahme, welches der zwei (oder mehrerer) Bösen übler und welches „das kleinere Übel“ ist, sehr oft falsch sein. Der Mensch ist nie imstande, 100% zu bestimmen, ob er in einer solchen Annahme auch recht hat. Also ist es ein Hasard-Spiel, ein Risiko, wenn man auf das eine Böse setzt, um ein anderes zu bekämpfen.

Zweitens, es ist ebenfalls nicht 100% gesagt, daß das eine Böse mit dem anderen Bösen auch wirklich kämpfen wird, und es auch besiegen wird. Wenn unsere Annahme falsch war, siegt vielleicht das üblere Böse? Oder beide tun sich zusammen (denn in der realen Welt gibt es kein nur-Böse, das Böse kann sich durch die erwähnten partiellen „gute Eigenschaften“ wie eine mittelfristige Kooperation mit anderem Bösen verstärken!) – und das Ergebnis ist noch ein größeres Böse als angenommen. Oder auch beide bekämpfen sich gar nicht – und existieren nebeneinander.

Drittens, wenn wir zur Beseitigung eines Böses selber ein (vermeindlich) stärkeres Böses schaffen – muß es als Wunsch, Gedanke, Idee, Konzept, Tat von uns und aus uns heraus kommen. Also muß es vorher dort, in uns, geboren werden. Und damit werden wir selber, als Schöpfer des Bösen, das als „vorübergehender Zweck zum Mittel“ oder als „kleineres Übel“ gedacht war – selbst mit dem Bösen infiziert.

In der Praxis gibt es mehrere Beispiele, wo der Mensch versucht, durch ein „kleineres Übel“ ein größeres zu bekämpfen oder zu beseitigen. Sei es die Idee der Strafe, die Idee der Rache (beides beruhend auf ebenfalls rein menschlichen Konzept einer „Gerechtigkeit“), oder auch die Versuche militärischer oder polizeilicher Aktionen und Interventionen, die für „Ordnung“ oder „Beseitigung der Verbrechen“ dienen sollen.

Lehne ich daher diese Methoden und Aktionen, wo man durch Böses ein anderes Böses beseitigen versucht, grundsätzlich ab?

(Leider) Nein.

Aber ich tue diese auch nicht rechtfertigen.

Jeder Mensch ist bei der Entscheidungen, solche Aktionen anzuwenden oder passiv zu begrüßen in einer ethischen, persönlichen Zwicklmühle, und das ist auch gut so. Jedem soll klar sein, wie groß bei so einem Versuch, bei so einem Hasard-Spiel, die Gefahr ist, noch mehr Böse anzurichten. Gleichzeitig kann der Mensch im Umkehrschluß solche „doch guten Ausgänge“ bei dem geplanten Kampf „Böses gegen Böses“ nicht ausschlißen. Fazit: es bleibt am Menschen, wie er sich entscheidet, und damit bleibt auch an ihm die Verantwortung für den guten, wie für den schlechten Ausgang solcher Aktionen.

Problematisch sind allerdings zwei Punkte: Einerseits, daß der Mensch selten und schwer die langfristigen Folgen sehen kann – wie der Einfluß auf seinen Geist, wie die Entwicklungsszenarien eines solchen Kampfen. Andererseits, daß der Mensch sehr oft lieber passiv bleibt und gar nichts unternimmt, bevor er eine Lösung mithilfe des Böses riskiert.

Das vollkommene Böse innerhalb der Menschheit gibt es nicht.

Selbst bei „bösesten“ Regimen, Menschen oder Verbrecherbanden gibt es zwei Punkte, wodurch das Böse nie voll aufgeht.

Erstens, die meisten bösen Menschen, deren böse Taten und bösen Gedanken, haben „eigentlich was Gutes gewollt“. So sagen sie es, und in den meisten Fällen, subjektiv, glauben sie es auch. Natürlich, objektiv, „statistisch“ gesehen sind/waren diese Taten und solche Menschen viel mehr böse als gut. Da aber durch eine Verblendung oder geistige Beschränktheit – sie glaubten selbst wenn nur für sich alleine, also komplett egoistisch – an etwas Gutes. Somit war die Idee des Bösen, und somit dessen Geist, nie vollkommen böse, es war kein „ideales Böse“.

Zweitens, das Böse braucht das Gute, um fortzuleben, um zu existieren. Während das Gute durch alleinige Nebenexistens andere Güter ohne dem Bösen überleben kann (d.h. alle tun einander was gutes oder was neutrales und leben so weiter), kann es das Böse nicht! Denn ohne Augenblicke oder Punkte der Kooperation, der Solidarität kann das Böse allein auf sich gestellt nie lange überleben – nie länger als ein Menschenleben (und auch das Leben des bösesten Menschen wäre sehr kurz, wenn er keine punktuellen „guten Augenblicke“ und gute Taten hätte). Natürlich, im Verhältnis wird auch hier oft das Böse dem Guten überwiegen, doch auch hier wird es nicht vollkommen, „ideal“ böse sein können. Selbst eine Verbrecherbande braucht unter sich gute Eigenschaften wie Zusammenarbeit, Solidarität, Mitgefühl und Hilfe um zu überleben und mächtig zu sein.

Menschen neigen dazu, eigene Verhaltensregeln und Gesetze zu entwerfen und ins Leben zu rufen. Solche Gesetze sind teils aus der Lebenserfahrung, teils aber aus Wünschen und Ideen gebildet. Damit können sie oft im Einllang mit den Naturgesetzen stehen, aber öfter eher im Gegensatz dazu. Naturgesetze, wie sowohl die physikalischen und biologischen Gesetze, wie aber auch langfristige soziale und psychische Gegebenheiten des Menschen wie über den Menschen, können „formell“ vom menschlichen Gesetzen missachtet oder übergangen werden, doch können sie nie von den menschlichen Gesetzen ausser Kraft gesetzt werden oder dominiert werden. Höchstens kann es für eine kurzfristige oder mittelfristige Zeit (damit meine ich mehrere Generationen) so scheinen, als hätte man die Naturgesetze zur Seite geschoben, und bessere, „menschliche“ Gesetze geschaffen.

In der Praxis – ob früher oder später – kommt es bei Gegensätzlichkeiten zwischen Naturgesetzen und vom Menschen geschaffenen Gesetzen zu Reibungen, zu Konflikten, manchmal zu großen Crashs oder Katastrophen. Als Beispiel können u.a. herhalten:

- der Versuch, die Schwerkraft ausser Kraft zu setzen (Flugversuche etc.)

- der Wunsch nach immer höherer Lebenserwartung mittels Medizin- und Pharmatechnik, und die damit zusammenhängengen Folgen

- gesellschaftliche, religiöse oder wirtschaftliche Utopien, die „am Leben vorbei“ eine künstliche Version des menschlichen Zusammenlebens propagieren.

Solche naturgemäßen Konflikte führen bei jedem Menschen, der in die Zwickmühle zwischen den Naturgesetzen und menschlichen Gesetzen gerät, zu Problemen, zum Unwohlsein – denn einerseits können wir uns nicht lossagen von den allmächtig herrschenden und stärkeren Naturgesetzen, andererseits leben in unserem Verstand und in den Gewohnheiten (ob selbst ausgedachte, oder übernommene und geglaubte) Menschen-Gesetze. Und wenn der Geist und der Körper keine Harmonie erfährt, geht es und schlecht.

Daß Menschen gerne in Versuchung geraten, über oder gegen die Naturgesetze eigene Gesetze zu formen, ist psychologisch verständlich (jeder Traum ist auch eine Motivation richtung Verbesserung). Und nicht zwingend sind eigene menschliche Gesetze und Ideen falsch – soweit sie nicht mit den Naturgesetzen in Konflikt geraten.

Auch muss erwähnt werden, daß der Mensch und die auf ihn bezogenen Naturgesetze unveränderbar sind. Denn sowohl die Entwicklung des Homo sapiens schreitet voran (genetisch – ob sein Gehirn, Körpergröße, Robustheit, etc.), wie auch dessen Umgebung (Klima und Beschaffenheit des Planeten Erde, kosmische Veränderungen ausserhalb). Doch erst wenn sich ein Naturgesetz geändert hatte, kann man eine Anpassung eines menschlichen Gesetzes vornehmen, damit beide kompatibel bleiben.

Im Umkehrschluß heißt das auch, daß wenn sich Naturgesetze ändern sollten, sollte auch der Mensch seine Gesetzte daran anpassen, und auch seinerseits nicht darauf pochen, daß „seine“ Gesetze (auch wenn im Zeitpunkt deren Erschaffung mit den Naturgesetzen kompatibel) unveränderbar bleiben sollten.

Jedenfalls ist es für ein Individuum immer besser sich auf jeden Fall an die Naturgesetze zu halten, und erst gegebenfalls an die vom Menschen geschaffenen Gesetze.

Nichts bindet den Menschen in seinen Entscheidungen wie sein Gewissen. Das Gewissen zusammen mit seiner Freiheit. Wir sind in jeder Entscheidung vollkommen frei (unabhängig jetzt davon, ob die Durchführung gelingen kann), können aber nie den Hinweis, den „Ratschlag“ des Gewissens ausblenden. Einerseits also der Wille, der identisch mit uns ist, andererseits aber das Gewissen, das ein „Kompass des Welt-Seins, des Gottes in uns ist“.

Keine anderen Faktoren als diese zwei können uns so authentisch und stark bestimmen, wie dieses Paar: Gewissen und die Freiheit. Keine äußerlich, gesellschaftlich, traditionell oder religiös zusammengebastelten Regeln („Moral“, „Ethik“, „Gesetze“, „Traditionen“) können wir uns glaubhaft und „gelebt“ werden. Klar, wir fügen uns oft solchen „äußeren Regeln“, doch authentisch sind diese für uns nie zur Gänze.

Je mehr wir an unseren eigenen Erkenntnis arbeiten und je mehr wir weiter erkennen und das Universum, das Sein verstehen, desto weniger glaubhaft und brauchbar sind uns diese Regeln. Wir entwickleln eigene Grundsätze des Tuns, die uns authentisch, natürlich, vertraut und vertrauensvoll sind. Jeder Mensch sollte ein eigenes Regelwerk haben, es entwickeln, und sich daran halten. Mag es fehlerhaft sein – es ist dann dazu da, von uns ausgebessert zu werden, nachdem wir aus eigenen Fehlern gelernt haben. Denn dann können wir auch niemanden die Schuld („blöde Gesetze“, „falsche Ethik“, „verlogene/wirklichkeitsferne Moral“) zuschieben. Diese eigenen Regeln sind ein Ergebnis des Ichs (Wille, Freiheit) und – mithilfe des Gewissens – des Seins. Und können natürlich nur für den einen Menschen gelten, der sie sich erarbeitet hatte.

Somit kann der Mensch durchaus immer besser werden, indem er an sich arbeitet, und durch jeden Akt auch sich selbst bestärkt und verändert – der Harmonie mit dem Sein näher bringt.

Man soll auch Werte haben, Werte kennen, und sich daran halten, denn deren Fehlen oder falsche Werte „verflachen“ oder „verirren“ den Menschen. Aber, nochmal, es müssen eigene, eigens entwickelte Werte sein. Oder zumindest – wenn wir eine gute Idee hören und aufnehmen wollen – eigens durchdachte, durch die eigene Erkenntnis überprüfte und bestätigte Werte und Ideen.

Das Gewissen und seine Rolle

September 8, 2008

Wie schon vorhin geschrieben, das Gewissen ist ein Gleichgewichtsgefühl, ähnlich wie beim Balancieren, das wir bei jeder Tat (auch jedem Willensakt, jeder Beobachtung) empfinden. Es „sagt“ uns, ob sich unser Wesen dadurch der Harmonie, der Nähe mit dem Weltall und dem gesamten Sein, dem Gott, nähert, oder eher entfernt.

Allerdings hängt das Gewissen auch mit unseren Erkenntnissen (auch den unterbewußten) zusammen. Schreiten diese voran, so stärkt und erweitert und vertieft („spitzt“) sich unser Gewissensempfinden. Lassen wir unser Erkenntnisse „verfaulen“, vergessen – wird auch das Gewissen „stumpfer“. Wenn wir in unseren Erkenntnissen in die falsche Richtung gehen, wird auch das Gewissen dadurch „verwirrt“ und „verschmutzt“. In meinen Augen ist das Gewissen also eine Kombination aus dem angeborenen Harmoniegefühl, und den Folgen der Erkenntnisse, die dieses Gefühl, als zwar angeborene Fähigkeit, mit der Zeit beeinflussen können. Offen ist dennoch, in wie weit dieser Einfluß reichen kann. Ich glaube, daß nur begrenzt, so wie beim physischen Gleichgewichtsgefühl: Wir können darin besser oder schlechter werden, doch die Grundeigenschaft kann in einem Menschen nicht verändert werden. So mit dem Gewissen – im Grunde bleibt immer die Ur-Eigenschaft, das Gefühl, ob wir uns der Harmonie mit dem Sein nähern (gute Taten), oder davon entfernen (schlechte Taten).

Durch mehr und mehr gute Taten wird das Gewissen gestärkt, da wir uns durch jede Tat, jeden Akt des Guten (=der Annäherung an das Sein, an Gott) selbst verändern, und besser fühlen. Bei schlechten Taten entfernen wir uns davon, und das Gewissen wird geschwächt. Verschwindet jedoch nicht ganz, und noch weniger wird es durch ein „anderes“, „eigenes“ Gewissen ersetzt. D.h. Menschen können durchaus andere persönliche Moralvorstellungen entwickleln und daran glauben – doch es ist nur eine intellektuelle „Maske“, ein Regeln-Konstrukt an den man zu glauben versucht, jedoch kein natürliches und instinktives Ur-Gefühl wie das Gewissen.

Ein gutes Beispiel für das funktionieren des Gewissens als „Kompass“ zwischen der Annäherung oder Entfernung zum Gott sind Situationen, wo man sich „zwischen zwei Übeln“ (aber auch zwischen zwei Güten“) entscheiden muß, wo man „der guten Tat wegen lügen muß“, oder wo man das „geringere Übel“ (das möglichst große Gute) sucht. Da fühlen wir die Zerrissenheit, indem wir gleichzeitig spüren, wie uns schon das Vorstellen der Entscheidung in zwei Richtungen zerrt, wie wir von zwei Kräften gezogen werden: die eine zum Guten (zur Harmonie), die andere weg davon. Und da ist es natürlich sich für „zwei Schritte nach vorne und einen zurück“ zu entscheiden, für die „bessere Summe“, als gar nichts zu tun.

Fehler und schlechte Taten

September 8, 2008

So wie eine richtige und fortschreitende Erkenntnis gute Taten zur Folge hat, so kann auch eine ungenügende und vor allem falsche Erkenntnis – schlechte Taten, also Fehler, zur Folge haben.

Laut Sokrates muß der Grund solcher Fehler nicht zwangsläüfig der böse Wille eines Menschen sein, sondern ein „Irren“ auf der Suche nach dem Guten. Somit spricht Sokrates falls alle Urheber böser Taten frei: „sie haben es nicht besser gewusst und nur Gutes gewollt.“ Für Sokrates gibt es somit keine „schlechten Menschen“.

Dem widerspreche ich auf folgende Weise: Natürlich ist mal auch die schlecher Erkenntnis, das „Irren“, ein Grund für böse Taten, und nicht immer der Wille. Doch oft genug ist es auch der Wille, der sich in einem Menschen gebildet hat – wegen oder trotz seiner Erkenntisse. Jedenfalls ist der Mensch da nicht von der Schuld zu befreien. Auch an unseren ungenügenden oder falschen Erkenntnissen, und somit Taten, sind wir alleine schuld, jeder für sich. Somit gibt es klarerweise auch „schlechte Menschen“, der Mensch kann durchaus schlecht sein, und nicht „gut-und-richtig-tuend oder gut-aber-leider-in-irre“.

Schlechte Taten, das Tun des Schlechten ist schlechter als das Empfinden/Empfangen der schlechten Taten. Denn das aktive Tun des Schlechten stammt von uns,  kommt aus uns heraus, wird in uns als Idee geboren und zum Teil von uns. Es ist unser Wille, der es werden läßt. Und es wäre leichtgläubig anzunehmen, daß es nach der Tat selbst wieder aus uns verschwindet, keine Spuren hinterläßt.

Während schlechte Taten, die uns widerfahren, vielleicht auf den ersten Blick mehr Weh und Leid erzeugen, doch nur oberflächlich, nur physisch oder/und psychisch. Der eigentliche Geist und unser innerstes Wesen wird dadurch unvergleichbar weniger berührt, als wenn es unsere eigene Tat (=aktive Erzeugnis) wäre.

Bei von außen kommenden schlechten Taten tut such unser „ich“ sogar noch immer wehren – und auch wenn selten erfolgreich (denn fremdes Böses tut uns immer weh, selbst wenn es nur bei Absicht blieb) – und wie bei jeder Abwehr stärkt das und lehrt unser Inneres, unser „ich“. Bei eigenen schlechten Taten schwächen wir und zerstören unser „ich“.

Daher sind auch „unsichtbare“ und „unentdeckte“ schlechte Taten ebenso schlecht wie die „sichtbaren“: denn das Schlimmste richten sie in uns selber an. Wir wissen davon, und somit sind es keine „unentdeckten“ Taten.

Ich habe vorhin geschrieben, wie gute Taten eigentlich Taten im Einklang mit dem universellen Sein sind, durch die wir vor allem uns selbst, aber auch unserer Umgebung wie auch dem gesamten Sein „gutes“ tun.

Genauso verhält es sich mit schlechten Taten, mit dem „Bösen“, doch hier möchte ich bei der konstruktiven, positiven Seite unserer Taten bleiben.

Die Erkenntnis des Seins, des Universums bringt uns weiter, weil wir dadurch mehr und mehr verstehen, uns Klarheit verschafft wird, und in uns dadurch eine immer größere Harmonie, auch Glück entstehen.

Die erwähnte Klarheit (der Einblick) über das Universum und das Sein kann aber auch eine Motivation sein, nicht nur sich an dem erkannten Ist-Zustand zu erfreuen, sondern diesen weiter zu vergrößern, zu vertiefen. Und zwar mit eigenen Taten.

Diese Motivation kann aus einem Gefühl (der Harmonie, des Glücks) entstehen, es ist aber vor allem ein Gedanke unseres Verstandes: Wenn es mir mehr und mehr klar ist, wodurch ich glücklicher werde (harmonischer mit dem Sein, mit meiner Umgebung, geistig wie physisch), desto mehr will ich diesen Weg weiter gehen.

Also der bewusste Wille.

Dieser Wille, aus dem Verstand und der Erkenntnis geboren, ist dann auch der zweite (nach der Erkenntnis) entscheidende Schritt in unserem Weg zum Glück, zur Erfüllung. Und zwar der bewusster Wille, d.h. nicht eine zufällige Idee oder Laune oder Experiment der Gedaken.

Natürlich sind auch unterbewußte Willensentschlüsse (und Taten), sofern sie gut sind – gut, aber nur der Aspekt des Bewußten bringt die größte positive Veränderung in uns. Jeder bewußter Wille zu einer guten Tat ist wie ein logischer Baustein auf den Bausteinen der Erkenntnis – und je mehr von solchen klaren und bewußten („selbst gemeißelten“) Bausteinen des eigenens Willens wir vorweisen können, desto einfacher und stärker werden die neueren und deren Taten als Folgen.

Hier also der dritte Punkt (nach 1. Erkenntnis, 2. Wille) – die Durchführung (ein Anfangen) bzw. „Pflege“ (ein Weiterentwickeln) der guten Tat. Eine Aktion. Denn es ist zwar schön, eine tiefer und tiefer gehende Erkenntnis zu haben, daraus dann eine Klarheit über sich und das Sein zu gewinnen, und sogar schöne Ideen zu haben, auch einen Willen diese umzusetzen… Doch wenn wir auf dem Sofa sitzen bleiben, ist es zwar keine „Sünde“, auch nicht notwendig ein „Verfall“ (solange wir die erlanger Erkenntnis und den Willen behalten können), doch sicher nicht alles, was möglich ist. Ein weiterer Schitt zur Erfüllung ist eben eine Aktion, eine Tat – aus der Erkenntnis und aus dem Willen heraus.

Richtig hat es Sokrates gesagt: Jedes Gut muß irgendein Objekt haben, nichts ist ein „Gut“ an sich, wenn es nicht jemanden/etwas nicht Gutes tut.

Wie gesagt, ich spreche von guten Taten, was nicht ausschließt, daß aus einer falschen Erkenntis ein Wille und eine Durchführung einer schlechten Tat möglich ist.

Mit „Taten“ meine ich übrigens auch „Werke“ – ein Wort, das auch mehr Richtung Kunst und Kultur, wie auch Richtung materieller Ergebnisse hinweist.

Es gibt meiner Meinung nach keinen Grund, die Geist des Menschen seinem Körper in der Bedeutung und in der Wertung voranzustellen. Beide sind ein Bestandteil des Menschen wie des ganzen Seins (geistig bzw. materiell), und somit gleichberechtigt. Beide entstehen und wachsen mit dem Menschen, beide schrumpfen und sterben mit ihm – bzw. gliedern sich in das universelle Sein wieder ein.

In beiden Fällen ist es wichtig, nach der Harmonie mit dem universellen Sein zu trachen – körperlich wie geistig. Jede körperliche und jede geistige Tat ist gut, die sich der Harmonie nähert bzw. in dieser entsteht.

Daher bin ich gegen die Gegenüberstellung: „Was ist wichtiger, Körper oder Geist?“ bzw. „Mehr gesitiges oder mehr körperliches?“. Wichtig ist: „Was und welches Geistiges, was und welches Körperliches.“ bei den Taten des Menschen.

Die menschlichen Taten sind insofern „gut“ oder „schlecht“, wie sie im Einklang bzw. Gegesatz zum gesamten Universum, dem Sein, sind. Denn wie schon gesagt: der Mensch ist als Geist wie als Materie ein Teil des ganzen Universums, dessen untrennbarer Bestandteil er ist.

Tut er also dem Universum, d.h. z.B. der Natur, den anderen Menschen etwas Gutes – tut er auch Gutes sich selbst.

Und umgekehrt: tut er was Gutes für sich selbst, tut es dem Universum, allen anderen auch gut.

Somit ist jeder „Egoismus“, der aber in Wahrheit eine Tat im Einklang, in Harmonie mit dem Universum geschieht, keine „schlechte“ sondern eine gute Tat, und auch ist eine jede gute Tat, die den anderen zukommt, eigentlich ein „Egoismus“.

Die Entscheidung, was Gut, und was Schlecht ist, d.h. welche Tat einen näher oder ferner zum Gott, dem Sein und der Kraft des Universums bringt, entscheidet jeder für und in sich selber. Hier wirkt und meldet sich das Gewissen, das einem immer sagt, immer andeutet, ob eine Tat gut oder schlecht sei. Es ist wie das natürliche Gleichgewichtsgefühl: Je mehr wir uns einem Abgrund nähern, desto unsicherer fühlen wir und, und wenn wir beim balancieren auf einem Balken zu weit links oder rechts uns stellen, warnt uns das Gefühl, daß etwas nicht stimmt, und daß wir bald womöglich fallen könnten.

Da alle Taten, gut oder schlecht, von uns selbst kommen, und sofort (auch wenn nicht sofort für uns bemerkbar) auch auf uns wirken, sind wir für unser Segen und Wohlergehen vor allem selbst verantwortlich.

Natürlich sind es auch die Taten der anderen, die unser Schicksal beeinflussen, doch keiner beeinflußt einen Menschen so selbst, wie er selbst – schon aus der rein statistischen Betrachtungsweise, wie viel Zeil man mit sich selbst verbringt und wieviele Tätigkeiten und Entscheidungen in dieser Zeit geschehen. Je mehr davon gut sind, d.h. im Einklang mit dem Gott, dem Sein, der Welt, desto besser wird es uns gehen.

Je näher dem Sein, desto besser für uns. Daher kann man leicht schlußfolgern, daß je mehr Wahrheit, desto mehr Gutes, und umgekehrt.