Generell meine ich, daß die Frage des Boykotts der Spiele in China schon vor dem Aufstand in Tibet aktuell war. Für mich zumindest. Ich fand bereits die Vergabe der Spiele an China grundsätzlich falsch, es war klar, daß es kaum zur „Demokratisierung“ und „Öffnung“ beitragen wird. Es war klar, daß die Spiele in ähliche Kategorie fallen werden wie die Spiele 1936 in Berlin und 1980 in Moskau. Also ein Propaganda-Vehikel für ein Regime. Nun wurden die aber vergeben, was keinen davor aufhalten soll, weiter über das Verhalten nachzudenken.

Ich bin kein Sportler oder Funktionär, der mit der Frage direkt konfrontiert ist. Dennoch bin ich nicht „unbetroffen“. Daher kann ich es mir höchstens wünschen, nicht fordern, daß die Sportler nicht hinfahren, daß die Spiele boykottiert werden.

Viel besser fände ich es aber, wenn die Sportler hinfahren, und, selbst unter Androhung von Disqualifikation, Zeichen des Protests gegen das chinesische Regime setzten. Das wäre cool, das würde sicherlich etwas bringen.

Wichtig wäre es allerdings, daß Politiker nicht zu der Eröffnung hinfahren. Denn diese haben dabei keine Möglichkeit, zu protestieren. Das können sie jetzt und vorher auf diplomatischer Ebene machen, auf der Ehrentribüne wird es keiner tun.

Persönlich werde ich die Spiele boykottieren – als TV-Zuschauer. Mag man sagen, daß es „ohnehin gesendet wird“ oder daß „ohnehin die Werbeverträge abgeschlossen worden sind“ – d.h. daß ich damit China kaum treffe. Aber einerseits möchte ich – abgesehen vom „Nutzen“ und „Wirkung“ für mich persönlich keine Propaganda-Veranstaltung mir ansehen. Andererseits führt so ein Zuschauer-Boykott im Hinblick auf weitere Veranstaltungen und Verträge durchaus zur Überlegungen: Wollen wir die Spiele später an ein undemokratisches (oder ansonstes „böses“) Regime vergeben, mit dem Risiko, daß dann die Zuschauer (und Werbe-wirkung) durch Boykotte stattfinden? Mein Boykott kann ein „Tropfen im Meer“ sein, – aber das Dilemma „Was kann ich schon als einzelner verändern?“ stellt sich ja auch bei jeder Wahl oder Volksbefragung, auch beim Verhalten zum Umweltschutz.

Daher: TV abschalten, und im YouTube danach suchen, ob doch ein Sportler bei der Olympia hie und da ein Protestzeichen gewagt hatte!