Der Staat als Partner

Januar 21, 2014


Sokrates hat sich dem über ihn – vom Staat Athen – gesetzten Todesurteil gebeugt und ihn akzeptiert, mit der Begründung, er sei im seinem gesamten Leben immer Athener gewesen, und da er so viele für ihn positive Entscheidungen und Aktionen dieses Staates immer akzeptiert hatte, und nie daran dachte, den Staat (mit dessen guten wie schlechten Seiten) als Gemeinschaft zu verlassen – so wird er es auch jetzt so handhaben, d.h. dem Staat „treu bleiben“, auch wenn dieser Staat wohl einen Fehler zu begehen scheint.

Meiner Meinung nach ist diese Einstellung falsch. Denn man sollte den Staat nicht als ein Schicksal oder allmächtigen und heiligen Vater (Mutter?) über sich sehen, sondern als einen gleichberechtigten Partner, gegebenfalls als einen Nachbar, ein Familienmitglied, gar einen Freund, meist aber einfach als einen Vertragspartner.

Daraus folgt erstens, daß wenn man meint, der Staat sei dabei , etwas Falsches zu machen, sollte man diesen Staat darüber warnen, oder – wenn es nicht geht oder zu gefährlich ist – alles Mögliche tun, diesen Fehler des Staates zu einzuschränken.

Zweitens, wenn man den Staat wie einen Menschen wertet, und nicht höher (was ohnehin vielleicht schon zu hoch ist), kommt auch folgender Vergleich: Wenn ein Mensch mir mal was Gutes, mal was Schlechtes tut – so würde ich nicht immer beides zulassen, sondern – auch wenn ich den Menschen noch so liebe und schätze – bei den schlechten Taten opponieren!

Aus beiden Punkten folgt, daß Sokrates nicht richtig entschied, indem er es zuließ, daß der Staat, den er eigentlich schätzte, ihn zum Tode verurteilt und dieses Urteil vollstreckt hat. Denn da er wußte, daß diese Entscheidung falsch und schlecht ist, hätte er alles tun sollen, es zu vermeiden. Sowohl für da eigene Wohl, wie auch für das Wohl seiner Mitbürger – die falsch entschieden hatten und dabei waren, ein Unheil anzurichten, das auch ihnen und dem Staate schaden sollte.

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