Wo zum Teufel ist nur die Hölle geblieben?

Januar 8, 2015


In Deutschland, ähnlich wie in den meisten westeuropäischen Ländern, scheint das Gute über das Böse gesiegt zu haben: Man glaubt – wenn man schon an ein Jenseits glaubt – eher an „den Himmel“ als an „die Hölle“. (Quelle:  http://de.statista.com/statistik/daten/studie/34/umfrage/meinung—christliche-glaubensinhalte/)

Der Glaube an Gott und das Jenseits hat kontinuierlich seit den letzten 250 Jahren abgenommen. Interessanterweise hat aber der Glaube an „den Teufel“ und „die Hölle“ viel stärker an Bedeutung verloren. Sind wir so gerne Optimisten? Oder ist vielleicht der Gedanke an die Existenz des Bösen – auch als ein Jenseits – irgendwie unangenehm, macht es gar schlechte Laune?

Bekannt ist, daß beide Konzepte des Jenseits – „der Himmel“ und „die Hölle“ – jahrhundertelang als „Zuckerbrot und Peitsche“ dienten – und daß die Europäer diese Ideen aufklärerisch verworfen haben. Dennoch: warum ist gerade „die Peitsche“ so in den Hintergrund geraten, während sich „das Zuckerbrot“ immer noch einer ziemlichen Popularität erfreut? Ist ein Glaube, welcher nach dem Ableben eher von einem „guten und schönen“ als von einem „bösen und häßlichen“ Dasein ausgeht – nicht reines Wunschdenken?

Als Menschen ist es uns unmöglich objektiv zu urteilen, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit es im Jenseits einen „Himmel“ oder/und eine „Hölle“ geben kann. Es bleibt der persönliche, subjektive Glaube – gewonnen aus Überlieferung, Lehre, aus meditativer und/oder gedanklicher Erkenntnis. Wieso mündet aber dieser Glaube in so überwältigender Mehrheit im extrem Optimistischen? Wäre es so abwegig anzunehmen – egal mit welcher Wahrscheinlichkeit – daß es auch ein „höllisches“ Jenseits geben kann? Oder, noch mehr: daß es nur ein solches Jenseits gibt? (Wodurch übrigens die Idee der „strafenden“ Peitsche obsolet wäre).

Zeugt ein stärkerer Glaube an ein „Happy-End-Jenseits“ nicht davon, daß es eigentlich kein aus Erkenntnis gewonnener Glaube, sondern bloß ein egozentrisches und naives Hoffen ist? Wenn ich an den nächsten Tag denke, gehe ich ja auch nicht davon aus, daß es auf jeden Fall Sonnenschein und klaren Himmel geben wird. (Natürlich auch nicht unbedingt davon, daß mich Gewitter mit Hagel erwartet). Kurz vor dem Einschlafen kann ich auch nicht davon ausgehen, daß ein schöner Traum wahrscheinlicher als ein Albtraum sei – oder gar kein Traum.

Anderer Erklärungsversuch: Vielleicht sind die Menschen weiterhin von der „Zuckerbrot und Peitsche“-Idee überzeugt, wobei sie tatsächlich glauben, sich ein „himmlisches“ Jenseits auch verdient zu haben?

Noch eine Möglichkeit – intellektuell auch nicht sehr schmeichelhaft für den Menschen – wäre, daß wir als Reaktion auf eine kritische Sicht auf die Welt um uns automatisch annehmen, ein Jenseits müsse viel besser, schöner, relaxter sein. Und was, wenn das „Leben danach“ nicht besser und nicht schlechter als das irdische Leben ist? Könnte die Bandbreite unserer Jenseits-Erwartungen nicht gleichmäßig verteilt werden zwischen den beiden Extremen, „Himmel“ und „Hölle“?

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